© Kurier/Gerhard Deutsch

Leitartikel
05/15/2021

Normalität ohne Bevormundung

Wenn wir Glück haben, sind die Lockdowns Geschichte – aber Obacht, dass sie nicht durch die Hintertür wiederkommen.

von Andreas Schwarz

Nichts wird sein, wie es vorher war. Heerscharen selbst ernannter Zukunftsforscher haben uns in der Frühphase der Pandemie dieses Bild gemalt, verbunden mit der blühenden Vision neu orientierter Gesellschaften irgendwann dann, nach Corona.

Ein Jahr später dürfen wir erstmals wirklich hoffen: Infektions- und Inzidenzzahlen sinken, die Impfraten steigen. Wirte, Theater, Sporteinrichtungen sperren auf, die Grenzbalken gehen hoch. Angesehene Virologen trauen sich vorsichtig die Prognose zu, dass wir uns vom Lockdown dauerhaft verabschieden können. Und die Vision ist die einer anhaltenden Normalisierung, gerne auch so wie früher!

Keine Lockdowns mehr? Eine zweite Prophezeiung aus der Hochphase der Pandemie war die, dass wir uns zu bereitwillig unserer Freiheiten berauben ließen im Namen eines höheren Gutes – der Gesundheit der Alten zunächst, der aller dann. Und dass uns diese abgegebene Freiheit, die wohl zur Genesung beitrug, später auf den Kopf fallen könne. Diese Vorhersage ist viel realistischer.

Nicht, weil irgendwer grundsätzlich Lust an der entmündigten Gesellschaft entdeckt hätte. Sondern, weil das mit der Entmündigung für eine vermeintlich gute Sache so einfach geht. Schon haben namhafte Denker postuliert, Corona sei marginal im Vergleich zur Klimasünden-Pandemie, es brauche ähnlich entschlossene Maßnahmen gegen den Klimawandel wie jetzt gegen das Virus. Lockdown also, bis die -Werte so weit unten sind, wie sie die Windkraftindustrie gar nicht haben will (die muss ja noch viel Geld verdienen)?

Oder die Ungleichheit der Gesellschaften in Europa und in Afrika, bei den asiatischen „Tiger-Staaten“ und den darbenden Nachzüglern, zwischen Nord- und Teilen Südamerikas: Konsum-Lockdown in der sogenannten ersten Welt, bis alle Welten annähernd gleich sind?

Plakativ, gewiss. Aber es gäbe noch viele Beispiele, in denen die Rufer nach einer besseren Welt auch nach Einschränkungen à la Lockdown rufen könnten, nach Restriktionen und Lenkungen, denen sich die Schäfchen zu fügen haben – in Corona-Zeiten haben sie’s ja auch getan.

Nur: Wer bestimmt, was die „gute Sache“ ist? Experten, die wie in der Pandemie quasi das Regieren übernehmen? Zahlenfetischisten, die kein differenziertes Bild dulden? Politiker, die nach Trial and Error durch die nächste Bedrohung steuern? Twitter- und andere moralinsaure Blasen der völligen Selbstüberschätzung?

Vielleicht haben wir das Gröbste in Sachen Pandemie tatsächlich überstanden. Können uns über den Beginn wiederkehrender Normalität freuen. Und uns neuen Herausforderungen mit aufgekrempelten Ärmeln und viel Ernsthaftigkeit zuwenden. Am besten aber, ohne dass die Bevormundung neue Normalität wird.

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