Meinung
04.12.2017

Nicht mit mir!

GASTKOMMENTAR

Wer nicht arbeitet, soll auch nicht Liebe machen

Mag. Wolfgang Lusak | über Nicht-Arbeiter

Die aktuelle Diskussion über das "ungerechtfertigt hohe" Einkommen der Kapitalisten und deren Steuervermeidungs-Tricks einerseits und ein bedingungsloses Grundeinkommen mit seiner "sozialen Hängematte" andererseits spaltet die Gesellschaft immer mehr. Weil ein ganz entscheidender Punkt dabei unberücksichtigt bleibt.

Es begann in der Bibel

Wie vieles begann auch diese Diskussion in der Bibel. Paulus schrieb in seinen Briefen "Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen". Er meinte damit, dass man selbst für sich sorgen und anderen nicht zur Last fallen solle. Unterschiedlich umgedeutet wurde dieses Zitat von Hitler, Stalin und Babel: Während Hitler und Stalin damit im diktatorischen Stil an Pflichtbewusstsein und Fleiß der Menschen appellierten, richtete sich der auch von Marx inspirierte Sozialist Babel gegen alle, die nur aufgrund ihres Status’, Erbes oder Vermögens zu Geld kamen und dabei keine Arbeit leisten würden. Oft ohne an diese Wurzeln zu denken, verlangen auch heute die einen, dass "diejenigen, die arbeiten, nicht die Dummen sein sollen" und dass der Anreiz zu arbeiten, nicht durch "zu hohe Mindestsicherungen" untergraben werden dürfe. Sie wollen "Leistungsgerechtigkeit". Die anderen verlangen "angesichts der zunehmenden Automatisierung" ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle, höhere (oder Einführung von) Vermögens- und Erbschaftssteuern, ein Beenden der Steuerflucht der Konzerne und Superreichen. Sie wollen "Verteilungsgerechtigkeit".

Beide Ansätze haben etwas für sich. Eines bleibt aber in unserer heutigen Welt – in der sich eben nicht mehr nur Adel und Bauern oder Industrielle und Arbeiterschaft alleine gegenüberstehen – kaum berücksichtigt: Der den Großteil der Arbeitsplätze schaffende bzw. ausfüllende und die Steuerlast mehrheitlich tragende Mittelstand reagiert mit großer Skepsis auf Steuer- und Umverteilungspläne. Weil er – da es bis dato in der EU unmöglich war sich auf die Schließung von Steueroasen und eine gemeinsame Steuerpolitik zu einigen – fürchtet, weiterhin am meisten zur Kassa "gebeten" zu werden und letztlich von privilegierten Klientelen (Konzerne, Superreiche, Beamte, Pensionisten) noch mehr ausgebeutet zu werden. Im Moment erfährt diese Sicht – auch wegen zugewanderter Armut und Unbildung – einen Aufschwung.

Adriano Celentano sang 1970 "Chi non lavora non fa l’amore", also "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht Liebe machen". Er besingt sich in dem großartigen Lied als einen Streikenden, der seiner Frau keine Geld nach Hause bringen kann, die ihn nun ihrerseits mit einem "Sex-Streik" bedroht, worauf er den Arbeits-Streik bricht, daraufhin verprügelt wird und sich schließlich verzweifelt an Gott wendet: "Was soll ich machen?" Indirekt bezichtigte er damit alle Untätigen als lieblose Geschöpfe, die Faulen wie die Reichen.

Solange die lieblosen Nicht-Arbeiter noch Parteien und Lobbys haben, die sie schützen, sagt der Mittelstand ganz zurecht: NICHT MIT MIR!

Mag. Wolfgang Lusak ist Unternehmensberater und Lobby-Coach, www.lusak.at www.lobbydermitte.at