© APA/AFP/WANG ZHAO

Leitartikel
08/14/2021

Mit dem Drachen tanzen?

China feiert sich und dreht der Welt post Corona die lange Nase. Dabei hätten wir noch eine Rechnung offen

von Andreas Schwarz

Eine flammende Rede vor strammen Soldaten, adrett gekleideten Schulklassen, braven Parteimitgliedern und einem Meer aus roten Fahnen ist in China nichts Ungewöhnliches. Aber die Tonlage, in der Staatschef Xi Jinping zum 100-Jahr-Jubiläum der chinesischen KP erklärte, dass „das chinesische Volk aufgestanden ist, und dass die Zeit, in der die chinesische Nation von anderen missbraucht und schikaniert wurde, für immer vorbei ist!“, die steht für die Welle, auf der das „Reich der Mitte“ im Jahr 2021 schwimmt – mit Lust auf mehr, viel mehr.

China hat eben erst bei den Olympischen Spielen in Tokio (!), besser geht’s nicht, 38 Goldmedaillen erkämpft und nur um eine den Spitzenplatz der Amerikaner verfehlt – aber den werden die Chinesen nicht nur im Sport bald übernehmen.

China feiert sich in Wort- und Bewegtbildbeiträgen sonder Zahl dafür, das Corona-Virus besiegt zu haben. Es hat in der Post-Corona-Zeit ein Wirtschaftswachstum erreicht, von dem die übrige Welt nur träumen kann. Es kauft die Welt von Afrika über Europa bis Lateinamerika gerade auf (meist mit erpresserischen Kredit-Methoden).Und es beutet sie aus – Kolonialismus hat einen neuen Namen: China. Der Griff nach Taiwan und Hongkong wird ohnehin immer fester.

Im kommenden Winter empfängt China die Welt zu einem Fest, wie sie es noch nicht gesehen haben wird – so die Vorauspropaganda für die olympischen Winterspiele 2022.

Wie wär’s, wenn die Welt das Triumphspektakel nicht sieht? Weil sie nicht mitmacht, sondern die Spiele boykottiert?

Denn wir haben noch eine Rechnung offen. Oder umgekehrt: China schuldet uns noch etwas. Das Corona-Virus ist in einem Labor oder auf einem mittelalterlichen Wildtiermarkt in Wuhan entstanden. Sein Ausbruch ist verschlampt/verschleiert/verschwiegen worden, bis er nicht mehr zu leugnen war und als Pandemie über die Grenzen ging. Während die Welt von Italien bis Lateinamerika mit Hunderttausenden Toten litt und leidet, kämpfte das chinesische System mit Mitteln, die nur einer menschenverachtenden Diktatur zur Verfügung stehen, das Virus nieder – und dreht der Welt die lange Nase: Seht her, der Drache hat nur einen kleinen Kratzer abbekommen.

In Wahrheit gehörte China, wäre es internationalem Recht unterworfen, verklagt. Müsste Schadenersatz in unermesslicher Höhe zahlen. Dürfte sich beknirschen. Nur nicht feiern – und erwarten, dass man mit dem Drachen tanzt. Aber solange sich der Westen lieber vor dem Drachen fürchtet, als ihm mit breiter Brust gegenüber zu treten, so lange man sich in Europa lieber über chinesische Investitionen freut und nur nicht die Hand beißt, die Führung kritisiert, die einen vermeintlich füttert, so lange wird sich der Drache kaiserlich amüsieren über die, die auch noch fürs Virus „danke“ sagen.

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