Unsere Eltern hatten Wickie, Slime & Paiper, wir haben Starmania

Unsere Eltern hatten Wickie, Slime & Paiper, wir haben Starmania
Warum der Nostalgie-Faktor gerade in dieser Zeit so wichtig ist.

Julia Pfligl

Freitagabende vor Corona: aufbrezeln, vorglühen bei Freunden, eine halbe Stunde vor dem Voga (Diskothek Volksgarten, Anm.) anstellen, durchtanzen bis drei oder vier Uhr früh.

Freitagabende jetzt: spazieren gehen, Bananenbrot backen, von der Jogging- in die Pyjamahose wechseln, „Starmania“ anschauen, möglicherweise sogar neben Mama und Papa.

Sind wir vielleicht doch in einer Zeitschleife gefangen?

Rein feministisch betrachtet mag uns die Pandemie in die 1950er katapultiert haben, aus popkultureller Perspektive aber erleben die Nullerjahre ein Revival: Britney Spears dominiert die Schlagzeilen, Juicy Couture (ja, das waren die plüschig-pinken Trainingsanzüge von Paris Hilton) ist wieder in, alle schauen Friends oder Scrubs oder Grey’s Anatomy. Und eben Starmania.

Die Neuauflage der ORF-Castingshow beschert der Generation Y nun ihren ersten Retro-Fernsehmoment. Wenn Arabella Kiesbauer mit kreischender Stimme und nicht minder kreischendem Outfit die Bühne betritt, fühlen sich 30-Jährige in eine Zeit versetzt, in der Lateinvokabel und leere Handy-Wertkarten ihre größten Sorgen waren und die wichtigste Entscheidung, die sie zu treffen hatten, Christl Stürmer oder Michi Tschuggnall lautete. Herrlich.

Die Erinnerungseuphorie wurde auch im Freundeskreis deutlich: In Pandemie-Phase 47 hatte sich eine gewisse Kommunikationsmüdigkeit eingeschlichen, doch Starmania brachte die Whatsapp-Gruppen wieder zum Glühen. Endlich war da was, worüber wir uns gemeinsam erfreuen, aufregen, unterhalten konnten, ohne das C-Wort auch nur in den Mund zu nehmen.

Netter Nebeneffekt: Der Samstagmorgen ist nach einem Starmania-Abend um einiges angenehmer als nach einer Nacht im Voga. Und anstellen muss man sich dafür auch nicht.

Kommentare