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Unis, Schule, Gesundheitssystem: Mehr ist nicht immer mehr

Viele Bereiche in Österreich leiden weniger an Geld- als an Strukturmangel.
Martina Salomon
STUDENTEN-DEMO IN WIEN: RUND 10.000 TEILNEHMER

Hierzulande herrscht ein, oft auch von Medien unterstützter Irrglaube, der da lautet: Mehr staatliches Geld löst alle Probleme.

Stichwort Universitäten: Auch wenn allein die Aussicht auf ein sinkendes Uni-Budget diese Woche für Empörung beim Lehrpersonal und eine große Studentendemo (samt fahnenschwingenden Kommunisten) sorgte: Sie sollten lieber für eine echte Strategie statt für Geld demonstrieren. Denn Österreich hat überdurchschnittlich viele (manchmal auch durchaus fragwürdige) universitäre Einrichtungen, eine gute Forschungsfinanzierung der öffentlichen Hand sowie eine erfreulich hohe Zahl an Patentanmeldungen. Dass sich das nicht in wirtschaftliche Erfolge ummünzen lässt, liegt weniger am Budget, als am fehlenden privaten Risikokapital und an zu hohen Hürden für Talente aus dem Ausland. Kluge Köpfe mit Innovationsgeist wie Peter Steinberger, der das KI-Programm „Open Claw“ entwickelt hat, verlassen Österreich in Richtung USA. Auch viele hier teuer ausgebildete Gaststudenten wandern weiter. Wie können wir sie halten?

Stichwort Gesundheit, Stichwort Schule: In beiden Bereichen liegen die öffentlichen Ausgaben im weltweiten Spitzenfeld, doch der Output ist unterdurchschnittlich. Alle wissen, dass ein Strukturwandel nötig wäre, doch das ist das Bohren härtester Bretter. Wer in Österreich ein Spital schließen will, verliert Wahlen, siehe zuletzt in der Steiermark. Österreich hat allerhöchste (Wahl-)Arztdichte, nirgendwo gibt es mehr Arztbesuche. Die Österreicher besuchen 13 Mal pro Jahr (!) eine Ordination. Dennoch befindet sich der Gesundheitszustand von 65-Jährigen im unteren Mittelfeld vergleichbarer Länder.

Auch bei den Ausgaben pro Schüler ist Österreich an dritthöchster Stelle der OECD, die Lehre gilt als vorbildlich. Dennoch herrscht Fachkräftemangel, und fast die Hälfte der Pflichtschulabgänger kann nicht ausreichend lesen und schreiben. Das ist unter anderem eine Folge des mittlerweile eingedämmten Familiennachzugs.

Parallel dazu steigt auch die Zahl beschäftigungsloser junger Erwachsener: In Wien sind mehr als ein Viertel der 25- bis 34-Jährigen nicht erwerbstätig – die mit großem Abstand höchste Quote aller Bundesländer. Und, nein, das löst man nicht immer nur mit mehr Geld, manchmal sogar ganz im Gegenteil: Die am besten ausgebaute Unterstützung für migrantische Großfamilien war natürlich ein Mitgrund, nach Wien zu ziehen. Nun steigt die Stadt hier finanziell stark auf die Bremse.

Der nötige Budgetsparkurs wäre tatsächlich die ideale Voraussetzung, um endlich vieles auf den Prüfstand zu stellen. Vielleicht brauchen ja ein paar Bereiche wirklich mehr Personal und Geld, manch andere aber weniger.

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