Arbeit ist "sozialer" als staatliche Dauerunterstützung
Globale Dauerkrisen beschädigen auch den heimischen Arbeitsmarkt, der Konjunkturausblick verdüstert sich laut den heimischen Wirtschaftsforschungsinstituten gerade.
400.561 Menschen waren Ende März als arbeitslos oder in Schulung gemeldet. Paradoxerweise herrscht in einigen Branchen dennoch Arbeitskräftemangel. Etliche Gastro-Betriebe zum Beispiel können nur dank familiärer Selbstausbeutung überleben und schaffen oft trotzdem keine Öffnung mehr an den umsatzstarken Sonn- und Feiertagen. „Wegen Reichtums geschlossen“, mault dann so mancher Urlauber – vielleicht manchmal sogar zu Recht. Doch sehr oft liegt es schlicht am fehlenden bzw. arbeitswilligen Koch-, Kellner- und Putzpersonal. „Das will sich halt keiner mehr antun, weil man zu Hungerlöhnen ausgebeutet wird“, lautet das stereotype Argument. Ja, es mag „schwarze Schafe“ geben, doch in Wahrheit hat die Personalnot in Gastronomie und Tourismus zu einem höheren Arbeitnehmer-Einkommen (und damit auch zu steigenden Preisen) geführt. Man betrachte außerdem die immer gediegeneren Personalwohnheime in den Ferienorten.
Wo also sind die Probleme? Die Erwerbsbevölkerung schrumpft, dazu sinken auch noch die Arbeitsstunden pro Arbeitnehmer. Es herrscht geringe Bereitschaft, für eine bezahlte Beschäftigung den Wohnort zu wechseln, auch wenn das eine „AMS-Karriere“ bedeuten kann.
Abgesehen davon ist es oft ohnehin attraktiver, in der Sozialhilfe zu verharren, speziell im Wiener Modell. Für kinderreiche Niedrigverdiener ist ein ähnliches Einkommen mit echter Arbeit kaum erreichbar. Die geplante Umstellung auf Sachleistungen für Kinder ist daher überfällig. Doch bei der vereinbarten, länderübergreifend einheitlichen „Sozialhilfe neu“ spießt es sich leider gewaltig.
Österreich gelingt es besonders schlecht, Migranten in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Während ein viel zu hoher Anteil der in Österreich (und da wieder überdurchschnittlich oft in Wien) lebenden Afghanen, Syrer und Iraker beschäftigungslos ist, holt man Erntehelfer aus Nepal, Krankenpersonal aus Vietnam und Stubenmädchen aus Indonesien. Wenn es aber Menschen aus anderen Kontinenten schaffen, für einen Job nach Europa auszuwandern, muss es doch auch gelingen, Wiener Arbeitslose wenigstens für Saisonarbeit nach Westösterreich zu bringen.
Arbeit bedeutet Integration und Selbstwertgefühl, ist daher am Ende sogar „sozialer“ als staatliche Daueralimentierung. Klar setzt das auch ein Bemühen der Arbeitgeber voraus. Der Nahostkrieg könnte neue Flüchtlingswellen auslösen. Umso wichtiger ist, dass Österreich als wettbewerbsstarke Region für Arbeitswillige attraktiv ist und nicht nur für Zuwanderer ins überstrapazierte Sozialsystem.
Kommentare