Kinderschutz auf Facebook: Schluss mit der Naivität
Man wisse von nichts und überhaupt wolle man ja nur alle verbinden und den Weltfrieden fördern. So oder so ähnlich wird Mark Zuckerberg wohl argumentieren, wenn er in Kürze in Kalifornien vor Gericht sitzt. Es ist die alte Leier, die der Facebook-Gründer schon so oft heruntergebetet hat. Für seinen Konzern, der mittlerweile Meta heißt und zu dem auch Instagram und WhatsApp gehören, geht es diesmal aber um mehr als sonst. Gigantische Strafzahlungen stehen im Raum.
Die Vorwürfe lauten, man unternehme nicht genug zum Schutz von Kindern und Jugendlichen auf den Plattformen. Im Gegenteil sogar: Man mache sie süchtig, ohne Rücksicht auf Verluste. Dass das so ist und dass es Meta bewusst ausnutzt, belegen interne Dokumente. Zuckerberg wird sie in Zweifel ziehen und sagen, es fehlten die Beweise. Damit fährt er genau die Taktik, mit der schon Tabakkonzerne in den 90ern versucht haben, die Gefährlichkeit von Nikotin herunterzuspielen.
Folgen der Algorithmen
Instagram und Facebook leben von Werbung. Dafür müssen sie uns möglichst lange in ihren Diensten halten. Genau das ist der Grund, warum man endlos wischen kann und laufend neue Videoclips eingespielt bekommt. Und auch dafür, warum man vorwiegend jene Kommentare und Beiträge angezeigt bekommt, die einen emotionalisieren. Und weil es deutlich einfacher ist, negative als positive Emotionen zu erzeugen, dominiert das, was uns aufregt. Der politische Diskurs wird zunehmend polarisiert. Davon profitieren Populisten.
Die Aufmerksamkeits-Algorithmen haben also heute schon weitreichende Folgen. Das abzustreiten, wäre naiv. Zuckerberg setzte allerdings schon immer darauf, eine gewisse Naivität auszunutzen. In den Anfangstagen von Facebook, als es noch ein reines Studentennetzwerk war, wurde er gefragt, wie er es geschafft habe, dass ihm die Nutzer freiwillig persönliche Daten und Fotos übermitteln. „Sie vertrauen mir – diese dummen Idioten“, hat er damals geantwortet.
In Bezug auf die Auswirkungen auf Heranwachsende ist die Naivität jetzt langsam am Ende. Das zeigt der Prozess in den USA, aber auch Maßnahmen wie Social-Media-Verbote. Ob diese angesichts schwieriger Umsetzbarkeit der Weisheit letzter Schluss sind, ist eine andere Frage. Aber zumindest wird das Thema endlich ernst genommen. Der Ansatz, den man in den USA wählt, geht tiefer: Man will Meta zu technischen Änderungen zwingen. Etwa dazu, die Algorithmen umzubauen oder das automatische Abspielen weiterer Videos zu unterbinden. Das packt das Problem an der Wurzel.
Und es würde am Ende wohl auch dem einen oder anderen Älteren helfen. Denn auch Erwachsene sind vor den negativen Effekten von Zuckerbergs Plattformen nicht gefeit.
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