Beschämende Tage: Was ist bitte mit den Männern los?
Manosphere-"Influencer" Andrew Tate.
Es sind beschämende Tage für die Männer. Von den Medien und der Politik bis in die Kulturbranche, vom Sport bis zum Weltkriegstreiber und den Epstein-Akten: Die Nachrichten sind voll von Männern im Machtrausch, die diese Macht auf höchst unterschiedliche, oft auch auf nicht strafrechtlich relevante, aber immer auf ihre Art widerliche Weise missbrauchen. Das ist ein verheerendes Armutszeugnis.
Aber erschreckenderweise nur ein Teil der Geschichte. Im Internet erhebt sich gerade eine derart hässliche Fratze der Männlichkeit, dass einem schaudert.
Die Influencer der sogenannten „Manosphere“ üben sich in bizarren Posen des Machotums zwischen Muskeln, dicken Autos und stumm lächelnden Trophäenfreundinnen. Man würde ja herzhaft lachen, wenn sie nicht so viele Heranwachsende mit ihren kruden Ansichten vergifteten.
Einer ihrer Talking Points mutet jedem zivilisierten Menschen grotesk an, kriegt aber zunehmend Wirkkraft: Frauen sollen demnach nicht einmal mehr wählen dürfen. Ja, das ist ernst gemeint. Und es wirkt: Das Ausmaß an Frauenfeindlichkeit auf der nach unten offenen Grindigkeitsskala, das sich in den Sozialen Medien und in den Kommentarsektionen der Medien findet, ist untragbar.
Und zunehmend schamlos, weil diese Ansichten mittlerweile wieder ein sicherer Meinungsort sind. Denn wer Frauen beleidigt, sogar wer die dümmsten Anwürfe oder Herabwürdigungen niederschreibt, kann sich sicher sein, online Zustimmung zu ernten.
Hin und wieder auch von Frauen, eine besondere Form dieser Tragik.
Wir schreiben, das muss man hier vielleicht festhalten, das Jahr 2026. Immer noch glauben Männer – vom Leiter großer Unternehmen bis hinunter zum kleinen Mann mit ein bisschen Macht –, sich Frauen gegenüber alles herausnehmen zu dürfen. Herabwürdigungen, sexualisierte Äußerungen, Machtspiele, Anlassigkeit durchdringen den Alltag. Und Schlimmeres. Eine kurze Zeit lang schien sich das zu bessern, weil so viele Frauen vehement und anhaltend protestierten, nicht zuletzt in der #MeToo-Bewegung. Von den Männern wurden sie dabei weitgehend allein gelassen.
Und nicht nur das: Erschreckend viele Männer scheinen erleichtert, dass dieser vermeintliche Korrektheitsunsinn wieder abklingt und man endlich wieder ungestört Sexist sein darf. Selbst dokumentierte Übergriffe bleiben oft ungeahndet. Klar, es sind bei Weitem nicht alle Männer so. Aber viel, viel zu viele.
Und eine Überzahl ausgerechnet jener, die mit Macht nicht umgehen können, teilt diese Macht unter sich auf – die reale und die Meinungshoheit, mit der das Internet vergiftet wird. Höchste Zeit, dass sich das ändert. Bis dahin schämt man sich als Mann für die anderen.
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