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Kapital in Österreich: Pfui Teufel!

Dank Börsenboom wurden die Vermögenden mehr. Wie könnte man allen ein Stück davon sichern, statt undifferenziert Jagd auf Reiche zu machen?
Martina Salomon
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200.000 Österreicher haben ein Vermögen von über einer Million Dollar, hat gerade eine Capgemini-Analyse ergeben. Die Zahl ist aufgrund der boomenden Aktienmärkte gestiegen. Eine rationale Reaktion darauf wäre: Fein, wie können wir den Kapitalmarkt für alle zugänglich machen, damit mehr Bürger davon profitieren – und sei es auch nur in kleinem Maße? Aber wir sind halt in Österreich: Da gilt „Kapital“ als anrüchig – vor allem, wenn es sich vermehrt. Wird es weniger (was leider auch passieren kann), ist man schadenfroh und erleichtert, sich dieses Risiko buchstäblich erspart zu haben.

Von außen betrachtet sind die Österreicher, speziell die Wiener, nicht wohlhabend – Griechen und Italiener sind „reicher“, weil sie meist im Eigentum wohnen. Das „Vermögen“ der Österreicher ist oft in höheren Pensionen und vergleichsweise günstigen (Alt-)Mieten versteckt. Das hat Vermögensaufbau als Pensionsvorsorge verhindert. Es ist daher lobenswert, dass die Regierung – eher unbeachtet – den Zugang zur betrieblichen Altersvorsorge erweitert hat.

In der öffentlichen Diskussion dominiert jedoch die Sorge um die Niedrigverdiener. Dabei zahlt schon jetzt jeder dritte Österreicher gar keine Einkommenssteuer, während die oberen zehn Prozent die Hälfte des gesamten Lohnsteueraufkommens stemmen. Österreich zählt international zu den Ländern mit geringer Einkommensungleichheit. Mehrleistung zahlt sich oft nicht aus. So werden entgegen dem Versicherungsprinzip höhere Pensionen stets geringer an die Teuerung angepasst. Dass viele Niedrigstpensionen nur Zweitpensionen sind, bleibt dabei unbeachtet. Aber wer will sich schon um Differenzierung kümmern, wenn man als Oppositionspartei schreien kann, dass endlich die „Milliarden-Erben und Privatjet-Bonzen“ einen Beitrag leisten müssten? So tönten dieser Tage die Grünen, die sich gerade besonders bemühen, die SPÖ links zu überholen.

Beide Parteien tun ja so, als gäbe es gar keine Vermögenssteuern. Aber was ist dann eigentlich mit der Kapitalertragssteuer (selbst wenn das Geld nur als Altersvorsorge veranlagt wird), mit der Grunderwerbssteuer (auch bei Erbschaften), der Wertpapierzugewinnsteuer, der Grundsteuer (auch wenn die tatsächlich niedrig ist) sowie der Immobilienertragssteuer? Wenn jemand Immobilien besitzt, die er ja auch in Schuss halten muss, hat er derzeit möglicherweise sogar reale Vermögensverluste, weil die Inflationsanpassung der Mieten ständig ausgesetzt wird (im Gegensatz zu den Gemeindegebühren, die munter mit der Inflation erhöht werden). Damit wird der private Immobilienbesitz immer unattraktiver, wodurch wiederum der Wohnbau eingebrochen ist, weil ja gleichzeitig die Baupreise gestiegen sind. Es macht also möglicherweise am Ende alle ärmer, wenn man die „Melkkühe“ zu stark auspresst.

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