Jugendschutz: In der Steinzeit der digitalen Welt gefangen

Eine Person tippt auf einem Smartphone, das sie in beiden Händen hält.
In der digitalisierten Welt lauern viele Gefahren. Die Entwicklung der passenden Werkzeuge zum Jugendschutz steckt noch in den Kinderschuhen.
Agnes Preusser

Agnes Preusser

Wir nutzen das Internet, um Katzenvideos zu schauen. Das ist der Sukkus einer philosophischen Unterhaltung im Film „Lucy“ darüber, dass Menschen das Wissen der Welt offensteht und sie sich dennoch nur auf Banalitäten konzentrieren. Der Film ist zwölf Jahre alt, Katzen-Content ist immer noch en vogue. Aber genutzt wird das Internet, konkret am Smartphone, längst für weit schädlichere Verhaltensweisen als Videoschauen, das einem ein gutes Gefühl gibt.

Und das fängt schon bei den Jüngsten an: Viele Kinder werden nur allzu gern abgelenkt oder ruhig gestellt, zu exzessive Bildschirmzeit kann laut Studien aber weitreichende Folgen haben. 

Entwicklungsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite, das Scheitern an alltäglichen Aufgaben, weil das „Wischen“ am Handy gelernt wurde, notwendige motorische Fähigkeiten aber nicht.

Ältere Kinder und Jugendliche sind den dunklen Ecken des Internets oft schutzlos ausgeliefert. Von Cybermobbing, krankmachenden Schönheitsidealen bis hin zu pädophilen Straftätern oder Hasspredigern ist alles dabei, wovor man die nächste Generation schützen sollte.

Und auch Erwachsene sind nicht vor negativen Auswirkungen gefeit. Sucht ist dabei nicht zu unterschätzen – und wird ganz bewusst von Konzernen genutzt. Suchtverhalten zu erzeugen sei die Geschäftsstrategie von Social-Media-Plattformen, wie Laura Wiesböck vom Institut für Höhere Studien (IHS) sagt, die eine Studie zu dem Thema erstellt hat. Dass die Politik – im Inland wie im Ausland – sich mit den Tücken von Social Media auseinandersetzt, ist darum genauso richtig wie überfällig. Viele Expertinnen und Experten befürworten den von Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) angekündigten Gesetzesentwurf für ein Social-Media-Verbot für Kinder, der bis Sommer erarbeitet werden soll.

Es kann dennoch nur der Anfang für mehr sein. Die Mediennutzung von Babys und Kleinkindern liegt immer noch in den Händen der Eltern, viele Erwachsene sind weiterhin zu unbedarft, und Jugendliche haben schon immer Wege gefunden, Verbote zu umgehen. Der verantwortungsvolle Umgang mit Neuen Medien muss besser vermittelt werden, die Gefahren müssen klarer kommuniziert werden, und Jugendliche müssen vertrauensvolle Anlaufstellen haben, wenn sie trotz Beschränkungen in den negativen Sog der sozialen Medien geraten sind. In dieser digitalisierten Welt stecken wir, was die Entwicklung der passenden Werkzeuge betrifft, noch in der Steinzeit fest.

Und im Idealfall brauchen wir irgendwann nur noch selten Katzenvideos, um aus der Realität zu flüchten – sondern nutzen wirklich das Wissen der Welt, um diese zum Besseren zu ändern.

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