Wie sich Europa gegenüber den USA lächerlich macht

World Economic Forum 2026 in Davos
US-Redner hielten der EU beim Weltwirtschaftsforum Davos den (Zerr-)Spiegel vor. Was für ein Armutszeugnis, zur selben Zeit Mercosur zu blockieren.
Martina Salomon

Martina Salomon

Mittwoch war ein schwarzer Tag: Eine unheilige Allianz aus Grün-Links und Rechtsaußen samt etlicher Bauernvertreter stimmte im EU-Parlament für eine Verzögerung des seit 25 (!) Jahren verhandelten Mercosur-Pakts. Da gab es dann plötzlich keine „Brandmauer“ zur AfD. Grüne wie FPÖ votierten dafür, dass der EuGH erst einmal prüfen müsse. Weil solche Verfahren elendslang dauern, kann man nur hoffen, dass der Pakt wie beim ebenfalls fast zu Tode verhandelten EU-Kanada-Abkommen CETA nun wenigstens provisorisch in Kraft tritt. Sonst macht sich Europa weiter lächerlich.

Ist es denn nicht sonnenklar, dass wir angesichts des Zerbröselns der transatlantischen Achse und der imperialistischen Gelüste von Russland, China und der USA mehr Stärke mit neuen Handelspartnern brauchen? Selbst beim Lieblingsthema der ersten Amtsperiode von der Leyens, dem „Green Deal“, punktet vor allem China mit innovativer (und staatlich unterstützter) Technologie. Chinesische E-Autos sind nicht so stylish wie deutsche, aber billiger und oft besser. Das Reich der Mitte ist Weltmarktführer bei Solarpaneelen und Windrad-Teilen. Donald Trump bohrte bei seiner Rede in Davos mit wüster Polemik in dieser Wunde. (Länder mit Windrädern seien Verlierer, China selbst errichte keine Windparks – was falsch ist.)

Der demokratische Gouverneur von Kalifornien, der sich gerade als Kandidat für die nächste US-Präsidentschaftswahl aufbaut, richtete den Europäern aus, nicht mehr vor Trump in die Knie zu gehen und Rückgrat zu zeigen. Aber was hat Europa denn dem Trump-Amerika voraus? Berechenbarkeit, Menschenrechte, hohe Sozialstandards, Sicherheit – und Lebensart. Kehrseiten: Saturiertheit, Regulierungswut bis zur Bürger-Entmündigung, hohe Steuerlast – und eine Immigrationswelle, mit deren Folgen viele europäische Länder kämpfen (auch da hört Trump nicht auf zu sticheln).

Leider bricht die Welt, wie wir sie bisher kennen, gerade zusammen. Das sprach der US-Handelsminister in Davos mit aller Härte an: Die Globalisierung habe zu starke Abhängigkeiten geschaffen. Europa setze zum Beispiel auf Solar- und Windenergie, überlasse aber absurderweise China das Batterie-Bauen. Da hat er einen Punkt. Was die Amerikaner aber vergessen dazuzusagen: Die Globalisierung hat uns nicht nur im Westen ein bequemes, billiges Leben ermöglicht, sondern auch Milliarden Menschen weltweit aus der Armut geholt. Jetzt schlägt das Pendel leider Richtung Nationalismus zurück. Umso wichtiger ist, sich auch speziell in Österreich aus der Work-Life-Balance-Hafer-Latte-Homeoffice-Lastenfahrrad-Komfortzone zu begeben. Unsere Friedens- und auch unsere Globalisierungsdividende ist nämlich leider aufgebraucht.

Porträt von Martina Salomon vor dem Schriftzug „Kurier Kommentar“.

KURIER-Herausgeberin Martina Salomon

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