Die Bahn erhält Vorfahrt
Für die AUA lief das erste Halbjahr nicht gut, sie flog ein dickes Minus ein. Dieses geht zum Teil auf bereits jahrelang defizitäre Inlandsverbindungen zurück. Nun zieht die Fluglinie die Reißleine und stoppt mit Ende Oktober die Verbindung von Wien nach Graz und dünnt jene nach Klagenfurt aus.
Das ist für die drei betreffenden Flughäfen bitter, aber auch die AUA bzw. deren deutsche Mutter Lufthansa hat nichts zu verschenken. Die Zeiten, als sie – im Besitz des Staates – aus politischen Gründen unrentable Strecken aufrechterhalten hat, sind glücklicherweise vorbei.
Zu 99 Prozent fliegen von Graz nach Wien Passagiere, die hier zu anderen Zielen umsteigen. Dies wird auch künftig funktionieren, nur anderswo, werden doch die Strecken von der steirischen Landeshauptstadt nach Frankfurt und Zürich ausgebaut. Und wer weiterhin über Wien fliegen möchte, kann die Bahn als Zubringer nutzen. Wenn der Semmeringbasistunnel Ende 2029 für den Verkehr freigegeben wird, beträgt die Fahrzeit weniger als zwei Stunden. Spätestens dann wäre die Flugverbindung ohnehin Geschichte gewesen, zumal die AUA derzeit laufend das passende, kleinere Fluggerät ausmustert.
Dass das Aus nicht das Ende der Welt für die Passagiere bedeutet, zeigt die Einstellung der Verbindung von Wien nach Salzburg. Im Juni 2020 hatten die Grünen im Bund das Ende für die Flüge zur Bedingung für das AUA-Rettungspaket in der Pandemie gemacht. Zwar gingen damit auf einen Schlag 100.000 Passagiere verloren, doch diese haben über die Weststrecke sowohl nach Wien als auch nach München exzellente Anschlussmöglichkeiten. Trotzdem legten die Passagierzahlen am Salzburger Airport gegen den österreichweiten Trend im ersten Halbjahr zu.
Und schon seit 2018 fliegt die AUA nicht mehr nach Linz. Der Flughafen verlor in den vergangenen Jahren infolge der guten Bahnverbindung zunehmend an Bedeutung, auch die Strecke nach Frankfurt funktioniert mehr schlecht als recht. Oberösterreich zahlt dafür dennoch für vier Jahre 36 Millionen Euro – viel Geld für wenig Nutzen. Die AUA-Strecke von Wien nach Innsbruck wird ebenfalls irgendwann auf dem Prüfstand stehen, auch wenn sie von vielen Touristen genutzt wird, die sich die längere Bahnreise nicht antun wollen. Eine Auslagerung an einen Kooperationspartner ist wahrscheinlich.
Das Aus für viele heimischer Flüge ist aber kein Argument für größere Streckenstreichungen auf der Kurzstrecke. Gerade jenseits der Grenzen funktioniert die Bahn oft nicht so wie sie sollte. Und wer will schon planmäßig zum Beispiel mehr als zehn Stunden im Zug nach Paris sitzen?
Unabhängig von den defizitären Inlandsflügen wäre es für den Standort Österreich wichtig, die im Europavergleich hohe Ticketabgabe deutlicher als um die geplanten 30 Millionen Euro im Jahr zu reduzieren. Sonst könnte nach dem Rückzug von Billigairlines auch die AUA zu weiteren Streckenstreichungen gezwungen sein.
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