Meinung | Koreasitäten
21.02.2018

Der erste Abschied rückt näher

Ja, wir verstehen einander inzwischen doch recht gut, wir Europäer und die Koreaner.

Stefan Sigwarth | über neue Olympia-Freundschaften

Sie sind uns längst ans Herz gewachsen, unsere südkoreanischen Gastgeber. Das wird natürlich auch Zeit, denn am kommenden Dienstag geht es für uns beide nach Hause. "Schon", ist man fast versucht zu sagen, denn es rückt unweigerlich der Tag näher, an dem es zum letzten Mal ins Jeongseon Alpine Center geht: Donnerstag, der Tag der Damen-Kombination.

Zum letzten Mal steht dann die Sicherheitskontrolle an, und sie wird hoffentlich zum sechsten Mal in Folge ohne irgendein akustisches Signal passiert – die Damen und Herren freuen sich inzwischen mit, wenn der Journalist aus Österreich die Stille am Personenscanner laut bejubelt.

Ja, wir verstehen einander inzwischen doch recht gut, wir Europäer und die Koreaner. Wir haben gelernt, wie man vernünftig grüßt, auch wenn man die Landessprache immer noch nicht kann (eine tiefe und vor allem langsame Verbeugung);

wir haben "Gamsahamnida" ins Gedächtnis gehämmert, ein sehr blumiges "Danke";

und wir haben gelernt, uns zu entspannen, auch wenn der nächste Shuttlebus erst in einer Stunde fährt und wir jetzt in der Einöde warten müssen. Dann findet die Pressekonferenz halt ohne uns statt, wir können es jetzt eh nicht ändern.

Geändert hat sich auch der Zugang zum Sessellift für den Personentransport Richtung Ziel im Jeongseon Alpine Center: Bis zu den Rennen gab es dort jenen Korridor, den jeder vom Skifahren kennt; während der Rennen gibt es eine Art Labyrinth für die Zuschauer und links davon einen Extraeingang für die Akkreditierten. An den drei Trainingstagen für die Abfahrtsdamen aber, die ohne Zuschauer stattfinden mussten, weil irgendwelche Verantwortlichen Sicherheitsbedenken hatten, da wurde – richtig – der Sondereingang für die Akkreditierten geschlossen.

Das Labyrinth war unser, und wenn in der letzten Olympiawoche die Kräfte allmählich etwas nachlassen, dann kommt man gern auf blöde Gedanken. In unserem Fall mit mehr als einem Dutzend 180-Grad-Kurven im Labyrinth konnte dies nur eines bedeuten: Russisprung, Hundschopf, Minschkante, Canadian Corner, Alpweg, Kernen-S, Langentrejen – weil wir durch den Parcours ähnlich lang brauchten wie die Abfahrer am Lauberhorn, erhielt nun jede Kehre den Namen einer Schlüsselstelle.

Süße Belohnung im Ziel: Hong Min-ah, die stellvertretende Chefin des Pressezentrums, beschenkte uns am Nachmittag unseres privaten ersten Renntags mit zweierlei Keksen.

Zwei Mal sehen wir sie noch. Am Donnerstagnachmittag heißt es dann Abschied nehmen von Jeongseon. Es ist nicht der letzte in den nächsten Tagen. Viele weitere folgen.