Salomonisch: Grüne Achterbahn

Salomonisch: Grüne Achterbahn © Bild: KURIER- Gruber

Mit Wortmeldungen zu Zigarettenautomaten und Radfahrern verärgern die Grünen zum Teil die eigene Klientel.

Wie grün ist das grün getupfte rote Wien? Nicht sehr, wenn man davon absieht, dass an den unmöglichsten Stellen der Bundeshauptstadt (Matzleinsdorfer Platz!) plötzlich eigene Fahrradspuren aus dem Asphalt gestampft werden. Aber solche Aktionen gab es auch schon vor der grünen Regierungsbeteiligung. Vielleicht sollte man eher fragen: Wie grün sind die Grünen? In Inseraten rechtfertigt Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou das Planungschaos im Süden Wiens, das ihre Vorgänger verursacht haben. Sie versucht höhere Öffi-Preise mit dem vagen Versprechen billigerer Jahreskarten zu kaschieren. Für die überfallsartige Teil-Sperre einer U-Bahn-Linie kann sie allerdings nichts, dafür ist Renate Brauner zuständig. In Wahrheit kann Vassilakou in ihrem Ressort nämlich ohnehin nur "Wünsch dir was" spielen.

Dort aber, wo die Grünen echt öko sind, verärgern sie die eigene Klientel. Dabei hat die Partei in zwei Punkten völlig recht: Wer eine gesunde Umwelt predigt, muss für weniger Rauch sein. Und wer die Zahl der Radfahrer in der Stadt verdoppeln will, sollte dafür sorgen, dass sich alle Verkehrsteilnehmer so benehmen, dass eine friedliche Koexistenz nicht durch vier- und zweirädrige Rowdys gefährdet ist. Der Hinweis, dass sich manche Radfahrer so benehmen (nächtens lichtlos gegen die Einbahn fahren!), als hätten sie mindestens sieben Leben, löste wilde Aggression bei Grün-Wählern aus. Detto der Vorschlag von Parteichefin Eva Glawischnig, Zigarettenautomaten zu verbieten. Hat sie übersehen, dass die am stärksten rauchenden Gruppen Grün-Funktionäre (Alexander van der Bellen!) und Journalisten sind?

Gut möglich, dass die Grünen derzeit sogar unter ihrem Wert geschlagen werden. Im Parlament sind sie nämlich ein konstruktiverer Verhandlungspartner als die beiden anderen Oppositionsparteien. Aber für tschickende Radler (und stauende Autofahrer) ist das kein Argument. Die Grünen sind gefährdet, in Wien vom Koalitionspartner zu Tode geherzt und in der Bundespolitik zur Bedeutungslosigkeit zerrieben zu werden.

Erstellt am 05.12.2011