Warum Tarek Leitner hätte schweigen sollen

Der ORF verschleiert, warum der Kanzler nicht mehr von Leitner interviewt wird. Der Moderator spielt mit.

Die Anschuldigung des türkis-schwarzen Efgani Dönmez, ORF-Mann Tarek Leitner und Christian Kern hätten auch seit dessen Einzug ins Kanzleramt gemeinsam Ferien gemacht, war offensichtlich falsch. Aber ein früherer Urlaub der beiden machte die ORF-Führung so nervös, dass sie Leitner künftig von Kern fernhält. Ob wegen heftigen Drucks der ÖVP oder aus vorauseilendem Gehorsam – beides ist möglich. Unerträglich ist aber, dass der ORF-Moderator Tarek Leitner, dessen Job es in den kommenden Wochen sein wird, aus den Politikern Fakten und Wahrheiten herauszuholen, in einem profil-Interview übelste Verschleierung betreibt – um es höflich auszudrücken. Dass er nicht mehr auf den Kanzler treffen wird, sei "einer terminlich sehr dichten Strecke" geschuldet. Unwahr – die Termine wurden neu geordnet, ergaben unsere Recherchen.

Im ORF greift jeder zu, vor dem sich die Führung fürchtet, auch die Grünen. Vor Monaten wurde der kritische Grüne Voggenhuber "Im Zentrum" ein- und wieder ausgeladen. Der ORF reagiert auch jetzt auf Druck der Grünen, weshalb Pilz nicht auftreten darf.

Schlimm ist, dass sich die Redakteure nicht mehr wehren. Armin Wolf war nur mutig, als es gegen Chefredakteur Mück ging, der dem schwarzen Kanzler Wolfgang Schüssel nicht zu viele Sorgen machen wollte. Gegen den von der SPÖ entsandten Alexander Wrabetz wurde Wolf nur aktiv, als dieser eine Strukturreform plante, die seinen Einfluss hätte beschränken können.

Ein Sender mit über 600 Millionen Euro Gebührengeld, der seine Journalisten nicht beschützen kann, ist am Ende seines Lebenszyklus angelangt. Über die Privatisierung der de facto Privatsender ORF1 und Ö3 wird inzwischen in allen Parteien nachgedacht.

(kurier) Erstellt am
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