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26.09.2017

Sie sagen Migration – und meinen sich selbst

Viele Menschen haben Angst vor der Zukunft, auch in Form der Zuwanderer. Wer kann die Angst nehmen?

Sie sagen Migration – und meinen sich selbst

Dr. Helmut Brandstätter | über den AfD-Erfolg

Angela Merkel hat die Wahl verloren, blieb aber unbestritten Nummer 1 – mit einer Beule eben, wie der KURIER am Montag schrieb. Wichtigstes Wahlmotiv gegen ihre Union war klarerweise die Flüchtlingsfrage. Alleine 2015 sind 890.000 Menschen nach Deutschland zugereist, seither noch Hunderttausende mit allen damit verbundenen Problemen. Und dennoch hat Merkel recht gut abgeschnitten und 33 Prozent erhalten, nur unwesentlich weniger als im Jahr 2009.

Nach allen Befragungen war Migration das wichtigste Wahlmotiv und wird es auch bei uns sein. Der SPD hat das mehr geschadet als Merkel. Viele Menschen beklagen den Verlust an Sicherheit, meinen damit aber nicht den Mangel an Polizisten, sondern ihr eigenes Gefühl, sich in einer immer fremder werdenden Welt nicht zurechtzufinden. Unbekannt und fremd wirken da nicht nur manche Gesichter, unbekannt ist die wirtschaftliche Zukunft, befremdend der schnelle, oft verstörende Umgang miteinander auf den (un-)sozialen Medien.

AfD-Sprachrohr Gauland hat seine gestrige Aussage "Wir wollen unser Land zurück" rassistisch angelegt. Hätte er gesagt "Wir wollen unsere Lebensweise zurück", hätte er auf anständige Weise das Lebensgefühl von mehr Menschen getroffen, sogar von manchen, die in der DDR gelitten haben, weil es damals im Zweifel berechenbar war. Das ist heute nichts mehr. Aber selbst diese Aussage wäre nur pure Verzweiflung, denn es gibt kein Zurück aus der Globalisierung. Das haben die Populisten verstanden und spielen damit – ohne Lösungen. Die anderen Politiker trauen sich nicht zu sagen, dass sie auch überfordert sind. Das gemeinsame Erarbeiten von Ideen wäre notwendig, aber das können nur wirklich starke Führungspersönlichkeiten.