über die Trennung von Kirche und Staat
11/28/2015

Religion ist privat, das Kopftuch ein Symbol

Wer Kirche und Staat trennt, darf keine religiösen Symbole im öffentlichen Dienst dulden. Logisch, oder?

von Helmut Brandstätter

Religion ist privat, das Kopftuch ein Symbol

Dr. Helmut Brandstätter | über die Trennung von Kirche und Staat

In anderen Ländern wird schon länger über den "Konflikt-Stoff" diskutiert, das Kopftuch, das die Haare von muslimischen Frauen – und Mädchen – verbergen soll. Aber endlich muss auch bei uns entschieden werden, ob Frauen im öffentlichen Dienst verhüllt auftreten dürfen, als Lehrerinnen, Richterinnen oder Verwaltungsbeamtinnen. Noch ist aus der Politik kaum ein klares Wort zu hören, nicht einmal von feministischen Politikerinnen, wo doch alles dafür spricht, dass Frauen im öffentlichen Dienst, insbesondere Lehrerinnen, ohne das auch bei Musliminnen umstrittene religiöse Symbol auftreten sollen.Wie so oft ist der Koran hier nicht eindeutig. Da geht es darum, dass Frauen " ihre Blicke senken", "ihre Scham bewahren" oder "ihren Schmuck nicht zeigen" sollen. Das wurde vor etwa 1400 Jahren so formuliert. Und danach sollen sich Frauen in unserer offenen, liberalen Gesellschaft richten müssen?

Die Tochter des Gründers der sehr traditionellen, manchmal auch fundamentalistischen Milli-Görüs-Bewegung, Emel Zeynelabidin, gibt in einem Artikel in der Zeitung Die Welt einen Einblick in ihren lange verhüllten Kopf und das damit verbundene Seelenleben. Die Frau, die in Istanbul geboren wurde und in Niedersachsen aufwuchs, erzählt, wie sie nach 30 Jahren das Kopftuch für immer ablegte: "Mein Leben ist seit 10 Jahren freier und leichter geworden, ohne dass ich auf meinen Glauben verzichtet hätte ... Erst heute ist mir bewusst, unter welchen einschränkenden Umständen ich durch das Kopftuch gelebt habe." Und schließlich: "Warum soll Gott strafen, wenn eine Frau Verantwortung für ihre Reize übernimmt?" Da lässt sich anschließen, dass die Verhüllung von weiblichem Kopf und Haaren nicht nur von einem eigenartigen Frauenbild, sondern auch von einer sonderbaren Vorstellung von Männern ausgeht. Soll Mann nicht in der Lage sein, mit einer Frau normal umzugehen, wenn sie Haare zeigt? Das erinnert zu sehr an Vorfälle in arabischen Ländern, wo Frauen dafür bestraft werden, dass sie von einem Mann vergewaltigt wurden. So ein Menschbild hat bei uns keinen Platz.

Frau Zeynelabidin verweist auch darauf, dass Mädchen mit Kopftuch der ganzen Öffentlichkeit mitteilen, dass sie geschlechtsreif sind, (da sie es ab der ersten Monatsblutung tragen müssen). Eine sehr private Angelegenheit wird zum öffentlichen Thema.

Wir haben in Österreich ein friedliches Zusammenleben der Religionen erreicht. Gerade auch christliche Organisationen wie Caritas oder Diakonie kümmern sich mit vielen Freiwilligen um Muslime, die zu uns kommen. Weil es eben um Menschen geht, und nicht um "Gläubige", "Ungläubige" oder solche, die "die Wahrheit noch nicht verstanden haben", wie es etwas höflicher heißt. Das war ja auch bei uns nicht immer so, das ist eine Errungenschaft. Da ist jedenfalls bei öffentlichen Ämtern kein Platz für religiöse Demonstrationen. Auch ein bunter Stoff sieht nach Unterdrückung aus.

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