über die Lehren aus dem Kalten Krieg
01/26/2017

Nie wieder Krieg! Muss leider gesagt werden

Der frühere sowjetische Staatschef Gorbatschow hat Krieg verhindert. Und macht sich jetzt große Sorgen.

von Helmut Brandstätter

Die österreichische Innenpolitik befasst sich ja mit so wesentlichen Fragen wie, ob ein Kanzler einen Plan haben darf. Oder ob "Neuwahlen in der Luft" liegen. Und die Regierungsspitze verneigt sich vor einem Blatt, das sie in Cowboy-Uniform zeigt. Bei uns ist Würde nur mehr eine Möglichkeitsform.

Da tut es gut, Michail Gorbatschow zu lesen. Der Mann, der im Jahr 1985 eine desolate Sowjetunion übernahm, zum Ende des Kalten Kriegs beitrug und die friedliche Auflösung der kommunistischen Diktatur einleitete, appelliert in einem dramatische Aufruf an die Welt: Nie wieder Krieg! Zusatz: Kommt endlich zur Vernunft. Ja, die fehlt weltweit. Nationalistische Töne sind ebenso unvernünftig wie der Ruf nach Protektionismus. Wer Emotionen schürt, braucht Gegner. Und wie aus Gegnern Feinde werden, haben wir oft genug erlebt. Durch die vielen Kriegsschiffe seien wir "fast täglich nur um Haaresbreite von einem gar nicht kalten Krieg entfernt".

Gorbatschow meint, der Westen habe seinen Sieg im Kalten Krieg zu lautstark gefeiert. "Siegesrausch ist ein schlechter Ratgeber." Aber er ist auch Putin gegenüber kritisch. Sein Appell geht in Richtung des "gemeinsamen Hauses Europa", von dem er schon früher gesprochen hat. Die EU müsse auf Russland zugehen und Russland muss verstehen, dass es teilweise zu Europa gehört und Europa auch braucht.

Was Gorbatschow leider nicht sagt, ist, dass Wladimir Putin die Macht der kaputten Sowjetunion wieder herstellen will. Der EU bleibt trotzdem nichts anderes über, als mit Russland ständig und intensiv zu reden. Ohne die eigenen Überzeugungen aufzugeben. So lief auch der KSZE -Friedensprozess in Europa Mitte der 1970er-Jahre.

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