über den Aschermittwoch
03/06/2014

Von Strauß zu Strache – ein steiler Abstieg

Am Aschermittwoch sollte gefastet werden – bei Speis und Trank, aber nicht beim Gehirnschmalz.

von Helmut Brandstätter

Am Aschermittwoch sollte gefastet werden – bei Speis und Trank, nicht beim Gehirnschmalz.

Dr. Helmut Brandstätter | über den Aschermittwoch

Es sei dem nicht mehr ganz jungen Kommentator gestattet, in Erinnerungen zu schwelgen, als der Aschermittwoch wirklich noch ein politisches Ereignis war. Nicht bei uns, sondern im bayerischen Passau. Ministerpräsident Franz Josef Strauß (1915–1988) lebte im rauchigen Bierzelt die ganze Breite seiner politischen Existenz aus.

Da konnte es beschämend tief werden ("Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder"), Zwischenrufer wurden beschimpft: "Wenn Sie kein Hirn haben, dann halten’s wenigstens das Maul." Aber Strauß verlangte vom Publikum auch Geduld, wenn er wortreich die außenpolitische Lage oder die Energiewirtschaft analysierte. Das waren die zwei Gesichter des CSU-Politikers: Einerseits der Verbalrüpel, andererseits der Stratege, der mit der Führung der kommunistischen DDR Milliardenkredite verhandelte und das rückständige Albanien bereiste, um ein Stück Balkan besser zu verstehen.

Jörg Haider hat die Tradition nach Österreich gebracht und leider auch für antisemitische Anspielungen missbraucht. FPÖ-Chef Strache trägt vor allem Kalauer seines Ghostwriters vor. Aber der Versuch, einen besonders beleidigenden Sager über die Konkurrenz zu finden, wirkt angesichts der Krim-Krise und deren ökonomischen Folgen nur befremdlich. Wie wäre es mit einem Wettlauf um die beste Idee für eine wirtschaftspolitische Initiative? Bei uns steigt die Arbeitslosigkeit, während sich die Wirtschaft bei den von unseren Populisten geächteten Spaniern schon besser entwickelt. Die Verantwortung liegt bei der Regierung, aber eine Opposition, die nur schimpft, wird als Alternative nicht ernst genommen.

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