Meinung | Kommentare | Innenpolitik
09.07.2017

Hallo Junge, euch geht es besser denn je

Keine Generation hatte so viele Möglichkeiten wie die heutige Jugend. Trotzdem wird von Angst geredet.

Keine Generation hatte so viele Möglichkeiten wie die heutige Jugend. Trotzdem wird von Angst geredet.

Dr. Helmut Brandstätter | über die Jungen

Was wollen die Jungen? Was erwarten sie vom Leben, was brauchen sie, was muss die Politik für sie leisten? Und erwarten sie sich überhaupt etwas von einer neuen Regierung? Der KURIER will im Rahmen des Plan K auch aufzeigen, was für die junge Generation getan werden muss. Die Sonntagsreden sind ja voll von Bekenntnissen, dass die Zukunft für unsere Kinder gestaltet werden müsse. Sieht man sich aber die konkreten Entscheidungen der letzten Jahrzehnte an, hat die Politik eher an diejenigen gedacht, die sie als ihre treuen und auch zahlreicheren Wähler kennt – die Pensionisten. Dort, wo sich die Zukunft entscheidet, also bei der frühkindlichen Förderung, der Bildung und der Forschung, wird taktiert, ideologisch politisiert und im Zweifel auch gespart.

Studien über die junge Generation zeichnen das Bild von Egoisten, geprägt von "Selbstdarstellung und Abstiegsangst", verunsichert, dass sie ihre Vorstellungen vom Leben nicht umsetzen können. So erklärt es jedenfalls der Jugendforscher. – Junge Leute, die wir gefragt haben, waren gar nicht so negativ, sondern sehr differenziert, was ihre Zukunft betrifft.

Wenn wir uns einmal nur auf Europa beziehen: Hatten junge Leute je so viele Chancen? Die Generation der um 1920 geborenen war im Krieg oder wurde ermordet, der Wiederaufbau war mit großen Entbehrungen verbunden, vor allem für die Frauen. Diejenigen, die nach dem Krieg auf die Welt kamen, konnten im Westen sicher vom wachsenden Wohlstand profitieren, aber es gab noch Grenzen in jeder Hinsicht, im Osten waren sie so dicht, dass die Jungen eingesperrt waren und einige den Weg in die Freiheit mit dem Leben bezahlten.

Mehr Unsicherheit – aber mehr Freiheit

Heute lastet auf den Jungen, vor allem im Süden, die enorme Arbeitslosigkeit und mangelnde Chancen für eine Ausbildung. Dass die Staaten und auch die Europäische Kommission hier nicht mehr zusammenbringen, ist eine Schande. Und natürlich spürt jeder die Unsicherheit, die von den Umwälzungen in der Wirtschaft durch die Digitalisierung ausgeht. Es gibt viel weniger sichere Jobs mehr, aber früher waren diese auch oft nur Lug und Trug, weil teuer für die ganze Gesellschaft. Als der damalige Chef der Staatsbetriebe im Jahr 1986 den VÖEST-Arbeitern zurief: "Wir sind pleite", waren schon viele Milliarden sinnlos verbrannt. Es funktioniert auch nicht mehr so selbstverständlich, dass Großparteien im Staat oder in staatsnahen Firmen lebenslange Jobs verteilen, Gott sei Dank, das war ohnehin entwürdigend. Dass beim hohen Wohlstand der Zweifel aufkommt, ob dieser auch zu halten sein wird, wenn andere, Ehrgeizige in den Schwellenländern danach streben, ist auch klar.

Heute ist die Freiheit in jeder Hinsicht größer. Damit müssen alle lernen umzugehen, auch die Jungen. Sie wissen freilich von Anfang an, dass das mehr Chancen, aber auch mehr Unsicherheit bringt. Mit dieser Freiheit umzugehen, das wird die große Herausforderung.