Großartig im Beschönigen

Es stimmt nicht, dass Österreich besser durch die Schuldenkrise steuert als andere Euro-Länder.

Schönreden kann man sich alles.

Andrea Hodoschek | über das Triple-A

Heftig war die Empörung, als die Ratingagentur Standard & Poor’s Österreich die Bestnote in Sachen Kreditwürdigkeit aberkannte. Schließlich hatte S&P mit dem Triple-A ein nationales Heiligtum demoliert. Natürlich wurden nicht die Gründe der Herabstufung hinterfragt, sondern über die Hinterhältigkeit der, eh schon wissen, US-gesteuerten Schurkenagentur geschimpft.

Jetzt, ein Jahr später, hat S&P eine kleine Schraube in der Bewertung nach oben gedreht. Von einer Rückkehr in die alte AAA-Herrlichkeit kann allerdings noch lange keine Rede sein. Aber schon sieht Finanzministerin Maria Fekter – und nicht nur sie – den österreichischen Budgetkurs bestätigt. Wir hätten die Krise eben besser gemeistert als andere Euroländer.

Haben wir tatsächlich? Schönreden kann man sich alles. Dass der Arbeitsmarkt nicht zusammenbrach, ist weniger der Politik, sondern den kleinen und mittelständischen Unternehmen, die Österreichs Wirtschaft dominieren, zu verdanken. Sie bauen Mitarbeiter nicht so rasch ab wie internationale Konzerne. Österreichs Banken sind zwar unterkapitalisiert, doch das sind die meisten europäischen Kreditinstitute derzeit auch.

Völlig untergegangen ist in der politischen Diskussion leider eine Warnung einer anderen Ratingagentur. Fitch reihte Österreich in der Vorwoche auf Platz neun jener zehn OECD-Länder, die sich auf den größten Altersschock vorbereiten müssen. Selbst Griechenland, Portugal und Italien haben ihre Rentensysteme, getrieben von der Schuldenkrise, reformiert und schneiden besser ab als Österreich. Für die nächsten paar Jahre ist Österreichs Fiskalpfad auf Kurs, wenn vor den Wahlen nicht noch ein paar Blödheiten passieren. Im Pensionssystem tickt allerdings die wirklich bedrohliche Zeitbombe fürs Budget und die Bonität.

Erstellt am 30.01.2013