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22.01.2018

Es muss nicht immer die Revolution geben

Fünfzehn statt elf Stunden Deutsch pro Woche ist keine Abkehr vom System, aber eine Verbesserung.

Was es jetzt braucht, ist ein massiver Ausbau der Ganztagsschulen. Deutsch kann man sicher nicht nur an Vormittagen erlernen.

Bernhard Gaul | über mehr Deutschförderung

Heinz Faßmann liefert. Der Bildungsminister ist zwar erst seit knapp einem Monat im Amt, sein Arbeitseifer ist aber schon sichtbar. Er hat mit dem Ausmisten und Löschen von fragwürdigen Erlässen des Ministeriums am Minoritenplatz begonnen, am Montag präsentierte er sein Reformmodell für den Wahlslogan "Deutsch vor Schuleintritt".

Was sich mit einiger Sicherheit sagen lässt: Die Reform der Deutsch-Sprachförderung ist gut und wird die Leistung der Schüler mit nicht-deutscher Umgangssprache verbessern. Es sollen bis zu 300 zusätzliche Sprachförderlehrer zum Einsatz kommen, die Anzahl der Förderstunden wird von derzeit maximal elf auf 15 bis 20 Stunden pro Woche erweitert werden.

Bei bis zu vier Stunden Deutschunterricht pro Tag macht es ja wenig Sinn, die Kinder in eine Regelklasse einzuteilen, wenn sie dann praktisch nie dort sind. Also werden eigene Deutschförderklassen gemacht, bis die Kinder ins Regelsystem wechseln können. Das war dem Vernehmen nach den Freiheitlichen wichtig, um den Anschein einer Abkehr vom bestehenden (roten) Schulsystem zu erwecken.

Nur: eine Abkehr oder gar ein Bruch ist das nicht. Eher eine Verbesserung und Erweiterung, die auch zusätzlich kostet. Woher Minister Faßmann die zusätzlichen Mittel nehmen wird, konnte er am Montag zwar noch nicht sagen, ein Veto des türkisen Finanzministers Löger ist aber ausgeschlossen.

Noch besser, wenn es nicht bei dieser Reform bleibt. Was betroffene Lehrer vor allem fordern, ist der massive Ausbau ganztägiger Schulformen. Denn Deutsch kann man sicher nicht nur an Vormittagen erlernen.