über den neuen Verteidigungsminister
02/10/2016

"Doskos" Blitzstart

H. P. Doskozil hat das Zeug, sich als Glücksgriff für die unterirdische Performance der Regierung zu entpuppen.

von Josef Votzi

Doskozil hat das Zeug, sich als Glücksgriff für die angezählte Regierung zu entpuppen.

Josef Votzi | über den neuen Verteidigungsminister

Bis vor einem halben Jahr war Hans Peter Doskozil nur politischen Insidern geläufig. Nach der Tragödie mit 71 toten Flüchtlingen in einem abgestellten Lkw bei Parndorf im August war er binnen Tagen bald jedem TV-Zuseher vertraut. Der burgenländische Polizeidirektor vermittelte danach auch beim ersten Flüchtlingsansturm in Nickelsdorf, das Chaos im Griff zu haben: Unaufgeregt in der Lagebeurteilung und empathisch bei der Vermittlung des damaligen Kurses – erste Hilfe und rascher Weitertransport statt lückenloser Kontrolle.

Seit zwei Wochen macht "Dosko" als neuer Heereschef von sich reden. Als roter Sicherheitsminister sucht er demonstrativ die Nähe seiner schwarzen Pendants: Seinen ersten EU-Auftritt bei einem informellen Meeting der EU-Verteidigungs- und Außenminister in Amsterdam absolvierte er – auch inhaltlich – im Paarlauf mit VP-Außenamtschef Sebastian Kurz. Den Medienauftritt bei seiner ersten Ministerratssitzung gestern Dienstag inszenierte der neue SP-Hoffnungsträger als Paarlauf mit VP-Innenministerin Johanna Mikl-Leitner.

Damit könnte Doskozil nicht nur alle Unkenrufe Lügen strafen, die in den sozialen Medien monierten: "Reichen schon ein paar gelungene TV-Auftritte für einen Ministerjob?" Der Burgenländer hat das Zeug, sich nicht nur als Glücksgriff für das – nach der Kür Rudolf Hundstorfers zum Hofburg-Anwärter – total blasse SP-Regierungsteam, sondern auch für das unterirdische Koalitions-Image zu entpuppen. Freundschaft ist schon in der eigenen Partei keine politische Kategorie. Win-win-Partnerschaften wie einst zwischen dem SP-Sozial- und VP-Wirtschaftsminister blieben seit der letzten Reanimierung von Rot-Schwarz die Ausnahme. Den seit Monaten besonders geforderten Polizisten und Soldaten, aber auch dem ganzen Land wäre zu wünschen, dass Doskozils gelungener Blitzstart Schule macht und der Paarlauf mit Mikl-Leitner und Kurz keine Eintagsfliegen bleiben.

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