über einen nötigen Innovationsschub in Österreich
04/26/2014

Die Nörgler tragen nun Nadelstreif

Immer lauter machen auch Spitzenmanager gegen die Regierung mobil. Zeit, dass einer der ihren dort einzieht.

von Josef Votzi

Die Nörgler tragen nun Nadelstreif.

Josef Votzi | über einen nötigen Innovationsschub in Österreich

In Silicon Valley kommen jedes Jahr zwischen 2000 und 5000 neue Technologie-Millionäre hinzu. Und in Österreich?" Knapp, frech und knackig machte diese Message diese Woche auf Twitter die Runde. Absender ist der "Austrian Stanford Club", eine Gruppe österreichischer Studenten, Post-Graduates und Professoren an der Elite-Uni in Kalifornien. Am Campus wurde jüngst darüber diskutiert, was Österreich vom Innovationsparadies Silicon Valley, wo von Facebook bis Google die Welt neu erfunden wurde, lernen kann. Schlüsselsatz: "In Österreich lehrt man die Theorie des Entrepreneurship. In Stanford lernen die Studenten, wie man Unternehmen gründet und aufbaut."

In Österreich rief zeitgleich Christoph Leitl eine Trauerwoche der Wirtschaft aus. Der Kammerchef fordert ein Gesetz zum Bürokratieabbau – und zwar "im Blitztempo". Leitl ist als nimmermüder Warner vorm "Absandeln" des Landes in ein Freilichtmuseum längst nicht mehr allein. Immer lauter melden sich jetzt jene zu Wort, die im Regelfall öffentliche Auseinandersetzungen meiden wie die Pest und lieber in Ruhe ihren Geschäften nachgehen. Österreichs Spitzenmanager fühlen sich dabei aber immer öfter von ganz oben behindert. Jahrelang war das Land bei internationalen Konzernen als Headquarter begehrt. Heute drohen selbst heimische Paradeunternehmen mit der Abwanderung ihrer Firmenzentralen ins Ausland.

Heilsame Unruhe statt bleierner Stillstand

Im Regierungsviertel hält sich freilich hartnäckig die Lesart: Allein die professionellen Nörgler in den Medien reden das Land und seine Führung schlecht. In der EU werde diese um die niedrige Arbeitslosigkeit, den sozialen Frieden und das duale Ausbildungssystem beneidet.

"Tu felix Austria", wenn das von Dauer wäre. Der Frust über bleiernen Stillstand, behindernde Bürokratie und mangelnde Bewegungsfreude der österreichischen Politik geht aber längst nicht mehr nur bei den Wutbürgern, sondern auch bei nüchternen Zahlenmenschen um.

Noch zehrt das Land von den richtigen Weichenstellungen in der Vergangenheit: Dem EU-Beitritt, der Ost-Offensive der Betriebe, gut ausgebildeten Facharbeitern und hochflexiblen mittelständischen Unternehmern.

Was zunehmend schmerzlich fehlt sind die Weichenstellungen von heute und morgen. Was fehlt sind politische Antworten auf steigende Lustlosigkeit und Lethargie. Was fehlt, ist ein Hauch von Silicon Valley, mehr Start-up-Spirit fürs ganze Land.

Der Parade-Unternehmer und Neos-Gründervater Hans Peter Haselsteiner hatte sich vor der Wahl als Dritter im Regierungsbunde angeboten. Schon einer im Führungsteam des Landes, der nicht in der Welt der Funktionäre und Besitzstandswahrer groß geworden ist, täte dem politischen Klima gut. Der kleine Innovationsschub für die "Große Koalition" ist bisher an der sogenannten "Realverfassung" gescheitert: Lieber zwei, die nicht einmal mehr die Kraft zum kreativen Streiten aufbringen, als ein Dritter im Bunde, der heilsame Unruhe bringen könnte.

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