über Trump, Strache und den Hass aufs System
03/05/2016

Der Hass aufs System zerstört die Zukunft

Donald Trump ist kein amerikanisches Phänomen – die Parallelen zu Europa sind augenscheinlich.

von Andreas Schwarz

Die EU, die Demokratie, das System stehen am Pranger, die kollektive Einfalt braucht nur noch zuzuschlagen.

Andreas Schwarz | über Trump, Strache und den Hass aufs System

Seit dieser Woche ist so gut wie sicher: Das Duell um die US-Präsidentschaft lautet Hillary Clinton gegen Donald Trump. Und die Welt staunt: Auf einer Kandidatin, die mehr durch ihren Namen als durch ihre politischen Erfolge (Außenministerin, erinnert sich noch wer?) oder ihr Charisma prädestiniert ist, ruhen jetzt alle Hoffnungen, einen Polit-Rüpel im Weißen Haus zu verhindern, gegen den der frühere Western-Darsteller Ronald Reagan ein geschliffener Intellektueller war. Bringt das 320-Millionen-Menschen-Land USA kein anderes politisches Personal für die wichtigste politische Funktion der westlichen Welt hervor?

Dem Staunen folgt gerne die Analyse, dass der Erfolg von "The Donald" nicht nur auf dem Heer weißer Männer ohne Collegeabschluss ruht, die ihre Arbeitsplätze ins Ausland abwandern sehen und eine Überfremdung der amerikanischen Gesellschaft fürchten. Sondern vor allem eines droht Amerika zu Trumperica zu machen: Die verbreitete Ablehnung bzw. der Hass auf die Politik, auf die Medien als Teil des Systems, auf "die da oben".

Und spätestens da kann die Welt aufhören zu staunen. Denn die Parallelität ist auch anderswo, nehmen wir Europa, augenscheinlich.

Auch hier treffen wir in vielen Regierungen landauf, landab auf sehr mediokres Personal. Und auf politische Rabauken, die es herausfordern und einen atemberaubenden Zustrom erleben. Der liegt nicht nur an der gegenwärtigen Flüchtlingsproblematik. Er liegt am ins Irrationale gesteigerten Unmut gegen das System, gegen die Institutionen, gegen ihre Proponenten – auch bei Teilen der Gesellschaft, die weit entfernt sind von der vermeintlichen Verliererstraße.

Parolen und Sündenfälle

Der einzige Unterschied zwischen den Straches und Le Pens hier und Trump dort ist, dass die Populisten in Europa aus ebendieser Politik kommen, Trump aber ein Quereinsteiger ist. Das Gemeinsame ist, dass sie alle Parolen als Antworten vorgaukeln. Und dass sie in dem System, das sie als zum Abschuss frei erklären, gut leben – mit Pfründen, Posten, manchmal Gaunereien, wenn sie einmal an der Macht sind; mit ausländischen Billigarbeitskräften im eigenen Unternehmen und anderen Sündenfällen, wie Trump, der an die Macht kommen will.

Mitbereitet haben den Weg dorthin just die als "Lügenpresse" denunzierten Medien. Weil manche mit der Politik oft über die Maßen ins Gericht gehen. Und/oder sich mit ihr ins Bett legen, wenn sie sich davon Vorteile erhoffen. Hinzu kommen die sozialen Medien mit ihrer selbstverliebten Deutungshoheit, in denen nur schwarz-, selten weißgemalt und nie differenziert wird. Wer geht da noch in die Politik?

Die EU, die Demokratie, das System stehen am Pranger, die kollektive Einfalt braucht nur noch zuzuschlagen. Die Geschicktesten unter den Schlägern sind die, über die wir staunen. Statt zu vermitteln, dass genau dieses System Wohlstand, Sicherheit und Zukunft, wie wir sie seit Jahrzehnten erlebt haben, erst ermöglicht hat. Und dass Rabauken wie Trump deren größte Gefahr sind.

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