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ĂŒber den Anschlag in Berlin
12/20/2016

Anschlag in Berlin: Die Lautesten haben nicht immer recht

Nach der Terrorattacke von Berlin braucht es keine Angstmache - die hilft nur jenen, die den Terror verbreiten. Es braucht starke Worte, vor allem von der Regierung.

von Evelyn Peternel

Nach der Terrorattacke von Berlin braucht es keine Angstmache - die hilft nur jenen, die den Terror verbreiten.

Mag. Evelyn Peternel | ĂŒber den Anschlag in Berlin

" Merkels Tote". Es hat nur Minuten gebraucht, um aus der fĂŒrchterlichen Meldung aus Berlin eine Schuldzuweisung zu machen. Tausendfach wurde die im Netz von jenen erhoben, die bereits kurz nach der Attacke gewusst haben wollen, wer da am Werk war, sie wurde aber auch vom grĂ¶ĂŸten VerstĂ€rker vorschneller Verurteilungen in die Welt geschrien: von der AfD.

Der Zynismus dieser Worte ist schwer zu ĂŒberbieten. Er ignoriert nicht nur die Opfer, er gibt auch den TĂ€tern genau das, was sie wollen: Nicht sie sind am Terror schuld, nicht sie tragen Hass in die Gesellschaft, sondern jene, die fĂŒr StaatsrĂ€son und Offenheit plĂ€dieren. Eine verquere Sicht, mit der die Rechtspopulisten und ihre Fans sich zum willigen Werkzeug der wirklichen TĂ€ter machen.

Was es jetzt braucht, sind keine pubertĂ€ren Fingerzeige nach innen, sondern Besonnenheit und Geschlossenheit nach außen. NatĂŒrlich ist das ein schwieriger Drahtseilakt - die politische Debatte, die seit der FlĂŒchtlingskrise ganz Deutschland beherrscht, kann und soll man nicht ausblenden.

Dass Angela Merkel auch diesmal – wie schon beim MĂŒnchner Amoklauf - nicht gleich in der Nacht vor die Kameras getreten ist, ist Wasser auf die MĂŒhlen der Rechtspopulisten. Aber sie hat Recht damit. Solange man nicht weiß, was wirklich passiert ist, braucht es keine Kampfansage.

Wobei: Einige Worte der StaatsrÀson wÀren schon mehr als angebracht gewesen - vor allem, um die eigene rasche HandlungsfÀhigkeit zu demonstrieren. Merkel muss sich auf heftige Debatten einstellen. Sie muss sich deshalb umso offener der jetzt noch stÀrker aufbrandenden Kritik stellen - nur eben nicht auf dem Niveau, das die AfD ihr vorgibt.

Das betrifft nicht nur Merkel, das betrifft die ganze Politik. In Deutschland. Und in Europa. Alle mĂŒssen aufpassen, im immer lauter werdenden Schreikonzert ihre besonnene Stimme zu wahren. Sonst gewinnt die Angst - und damit auch der Terror.

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