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23.03.2017

Leben wie Gott in Frankreich

Die Korruption in der politischen Elite hat Tradition, das Unrechtsbewusstsein tendiert gegen Null.

Die Franzosen sind Amouren und Skandale ihrer politischen Lenker spätestens seit Mitterrand und Chirac gewohnt

Andreas Schwarz | über Korruption in Frankreich

Korruption der Eliten kann ein Land zugrunde richten. Bestes Beispiel: Simbabwe, wo der heute greise Robert Mugabe das einst reichste Land Afrikas zum Armenhaus heruntergewirtschaftet hat.

Nein, Frankreich ist noch nicht so weit. Aber das Odeur der Korruptionsaffären, über die das restliche Europa staunt, ist gewaltig und zieht sich in der Grande Nation durch fast alle Parteien. Und die Chuzpe ist auch die gleiche: Ob der sozialistische Präsident für seinen Friseur monatlich 10.000 Euro Steuergeld ausgibt oder der republikanische Präsidentschaftskandidat Frau und Kinder um mehr als eine Million Euro scheinbeschäftigt – der Griff in die Staatskasse erfolgt nicht nur mit einer Selbstverständlichkeit, die Ihresgleichen sucht, sondern auch völlig befreit von jeglichem Unrechtsempfinden. Der französische Innenminister ist jetzt auch nur zurückgetreten, weil das den weiterkämpfenden Präsidentschaftskandidaten schlecht aussehen lässt.

Obwohl: Schlecht aussehen? Die Franzosen sind Amouren und Skandale ihrer politischen Lenker spätestens seit Mitterrand und Chirac gewohnt. Die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt liegt auf dem Korruptionsindex von "Transperancy international" knapp vor den Bahamas. Die Abgehobenheit der politischen Elite, die viel mit der monarchistischen Vergangenheit und der Machtfülle des Präsidenten, also auch der Unangreifbarkeit der Macht zu tun hat, kommt erst langsam in Verruf – bei Staatsanwaltschaften wie beim Volk.

Bezeichnend, und da sind wir wieder bei Afrika: Frankreich hat die längste Zeit korrupte Diktatoren sündteure Villen kaufen und wie Gott in Frankreich leben lassen. Erst in den letzten Jahren gab es ein Umdenken und Beschlagnahmungen. Bei den Politikern dauert das Denken noch.