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24.03.2017

Grünes Licht für Zweit-Pass ist grenzenlos naiv

Solange Erdogan das frech missbraucht, bleibt grünes Licht für Zweit-Pässe grenzenlos naiv.

Josef Votzi | über die Legalisierung von Doppel-Staatsbürgerschaften

Die Italiener tun es – nur bei den Südtirolern stehen sie noch auf der Bremse. Auch Frankreich hat damit im Regelfall kein Problem. In Großbritannien werden nach dem Brexit mehr Menschen denn je das Recht nutzen, sich einen zweiten Pass zu besorgen. In Deutschland machte sich Außenminister Sigmar Gabriel jüngst gar dafür stark, den vielen jungen pro-europäischen Briten eine Doppel-Staatsbürgerschaft anzubieten.

In Europa heißt es längst mehrheitlich: Ein Staatsbürger mit zwei Pässen, na und? Zumal dann, wenn es der eines EU-Lands ist. Warum gehen hier die Uhren in Österreich noch immer total anders?

Grund 1: Die Regierungsparteien verweigern feige eine offene Debatte. Das nährt die Fremdenangst statt sie abzubauen. Grund 2: Ein Zweit-Pass ist zwar illegal, das Verbot wird aber zehntausendfach ignoriert weil null kontrolliert. Grund 3: Autoritäre Regime wie die Erdoğan-Türkei missbrauchen die fahrlässige Wurstigkeit und stellen trotz Verbots offensiv Zweit-Pässe an Austrotürken aus. Fazit: Solange ein Zweit-Pass als nationalistische Fußfessel ans Herkunftsland missbraucht wird, ist an Legalisierung nicht zu denken. Diskussionswürdig ist eine Amnestie und ein Aus des Verbots für EU-Zweit-Pässe. Alles andere bleibt grenzenlos naiv.