über die Italien-Wahl
02/26/2013

Freibier per tutti

Wofür haben die Italiener gewählt?

von Helmut Brandstätter

Sie brauchen keine Regierung mehr, jetzt machen sie einmal Party, die Kosten dafür soll der Rest Europas tragen

Dr. Helmut Brandstätter | über die Italien-Wahl

Mindestlohn, Freibier für alle, keine Macht für niemand. Klingt sehr chaotisch - ist es auch. In Wahrheit haben die Italiener mit der Wahl einen Vertrag zu lasten Dritter abgeschlossen. Sie brauchen keine Regierung mehr, jetzt machen sie einmal Party, die Kosten dafür soll der Rest Europas tragen.

Das wird nicht funktionieren. Der Komiker und Populist Beppe Grillo hat schon recht. Die traditionellen Parteien sind am Ende. Aber sein Angebot ist mehr als bescheiden: "Scappellotti " will er verteilen, Ohrfeigen also, zu einem "inciucio" ist er nicht bereit, keine Machenschaften mit anderen Parteien. Ein sonderbarer Politikbegriff, wenn einer glaubt, immer recht zu haben und zu keinen Kompromissen bereit ist.

Grillos Hoffnung: ein "governissimo", eine große Koalition aus Linken und Berlusconi. Das würde höchstens ein paar Monate funktionieren. Der Zerstörungstrieb von Bunga-Bunga-Berlusconi würde jede Regierung schnell an ihr Ende bringen. Wenn Berlusconi noch einen Funken Verantwortung spürt, ist er zu einer Wahlrechtsreform bereit, die künftig auch im Senat, so wie jetzt schon in der Abgeordnetenkammer, für klare Mehrheiten sorgt. Und dann sollen die Italiener nochmals wählen gehen. Vielleicht ist ihnen dann klar, dass sie eine Entscheidung treffen müssen, die sie auch selbst bezahlen werden. Wenn dann Beppe Grillo die Mehrheit erhält, dann soll er seinen Wahlspruch leben -"Vaffanculo". Das ist eine Aufforderung, ähnlich dem Götz-Zitat. Aber der Aufforderung muss niemand nachkommen, Europa schon gar nicht. Dann werden die Italiener die Rechnung zahlen müssen.

Italien ist - ähnlich wie Deutschland - eine junge Nation. Nord und Süd sind einander bis heute fremd. Das Geld fließt nur in eine Richtung. Aber gerade Europa hat dem Gründungsmitglied der Europäischen Gemeinschaft in jeder Hinsicht gut getan. Das haben die Italiener bis gestern auch so gesehen.

Der Wähler hat immer Recht. Über den Wahrheitsgehalt dies Satzes kann man diskutieren. Aber in der Demokratie muss klar sein: Der Wähler muss Recht bekommen. Schon, aber mit allen Konsequenzen.

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