Eitle Liebe

Zu schön“, hieß es, war Ex-First-Lady Bettina Wulff für den (optisch) eher unscheinbaren Christian. Wär’s nur dabei geblieben. Am Ende war das, was Madame ihrem Mann als Dessert zu dessen persönlichen Karriere-Super-Gau servierte, alles, nur nicht hübsch. Im Gegenteil. Rund um die Veröffentlichung ihres Buchs „Jenseits des Protokolls“ (Startauflage 100.000, im September 2012 erschienen) wurde die herbe Blonde nicht müde, ihren Mann öffentlich zu desavouieren (ganz nebenbei gab sie bekannt, dass es in der Küche der Dienstvilla des Präsidenten keine! Dunstabzugshaube! gab. Heaven!“) Sie kritisierte sein Krisenmanagement genauso wie seine Ansprüche an sie, die First Lady. Ihr Mann habe sie in eine Rolle gedrängt, jammerte sie publicityträchtig. Och.

Nicht nur auf Amazon handelte sie sich dafür jede Menge Häme ein, man warf ihr Selbstverliebtheit vor – etwa so lauteten die O-Töne des Bettina-Bashings: „Seite für Seite wird einem das belanglose und selbstverliebte Gejammer einer verwöhnten Göre präsentiert. Das knappe Geld reicht nicht zum Leben, der Ehemann hat wenig Zeit und ist nie da, die Doppelbelastung zwischen Beruf (als First Lady) und Kindern ist enorm, und, und, und.“ Auch die Paartherapie, die beide angeblich besuchten, um die Ehe zu retten, wurde breit getreten. Medienwissenschaftler kritisierten Bettinas Zicken-Gehabe als „PR-Posse“, um ihr larmoyantes Geschreibsel zu verkaufen.

Dass die beiden jetzt auseinander gehen, erscheint also nur logisch. First Ladies haben in der Regel dezent im Hintergrund zu agieren, doch Bettina Wulff übte sich nie in großer Bescheidenheit. Ganz im Gegenteil. Es schien, als würde sie daran leiden, was Psychologen gerne mit „narzisstischer Liebe“ umschreiben: Man begehrt, wovon man sich persönlichen Zugewinn erwartet. So eine Liebe ist eitel und selbstsüchtig – im Fokus steht stets der eigene Vorteil. Bettina Wulff hat ihre Show bis zum bitteren Ende durchgezogen. Wäre nett, wenn wenigstens die Trennung ohne ihre Betroffenheits-Wortmeldungen über die Bühne gingen. Alleine der Söhne wegen.

(Kurier) Erstellt am
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