Zündstoff: Falsches Täter-Profil

Jürgen Preusser
Foto: Franz Gruber

Wie Medien daran gehindert werden, über Doping zu berichten.

Der spanische Tennisverband wird den französischen TV-Sender Canal + klagen. Dort wurde in einem Sketch eine lebensgroße Rafael-Nadal-Puppe gezeigt, die ihre Blase in den Tank ihres Autos entleerte und danach von der Polizei wegen überhöhter Geschwindigkeit gestoppt wurde. Obwohl im Zuge des Fuentes-Skandals Tennis hinter Radfahren, Leichtathletik und Schwimmen als viertböseste Sportart genannt wird, gibt es keinen offiziellen Dopingfall eines Tennisspielers.

Dem Westdeutschen Rundfunk ist es per einstweiliger Verfügung ab sofort verboten, dem Sportmediziner Andreas Franke vorzuwerfen, verbotene Blutbehandlungen durchgeführt zu haben. Der WDR muss bei Zuwiderhandeln mit einer Strafe von einer Viertelmillion Euro rechnen.

In der ARD-Sportschau hatte der Doping-Aufklärer Hajo Seppelt berichtet, dass Franke seit Jahren Sportler-Blut mit UV-Licht bestrahlt habe. (Walter Mayer lässt grüßen.) Auch die seit gut zwei Jahren höchst umstrittene Eisschnellläuferin Claudia Pechstein soll Kundin gewesen sein. Die Erfurter Behörden ermitteln längst gegen den Sportmediziner.

L’Equipe, die größte Sportzeitung Europas, wurde vom Tour-de-France-Giganten Lance Armstrong geklagt und muss noch mehr als zwanzig weitere Klagen von des Dopings beschuldigten Sportlern abwehren.

In Spanien wurden im Zuge der endlosen Affäre um den Doping-Arzt Eufemiano Fuentes praktisch allen Zeitungen gerichtlich Maulkörbe verpasst.

Im KURIER mussten wir vor sechs Jahren unzählige Interventionsversuche von höchster politischer Ebene abwehren, um über den beispiellosen Doping-Skandal bei den Winterspielen in Turin berichten zu können.

Es scheint, als ob die Überbringer von Nachrichten strenger überwacht und härter bestraft werden als deren Verursacher. Doch selbst wenn man von der schüchternen Schätzung des IOC ausgeht, wonach jeder zehnte Sportler ein potenzieller Dopingsünder sei, darf man so manchem Sportler gegenüber zumindest eines äußern:
die Unholdsvermutung.

(kurier / Jürgen Preusser) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?