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Meinung Kolumnen Zuendstoff
08/05/2012

Zündstoff: Die Doping-Branche

Jürgen Preusser über systematisches Doping und warum manche Sportler wohl nie erwischt werden.

von Jürgen Preusser

Andreas Vojta ist ein olympischer Held: Zwar ist er in seinem Vorlauf über 1500 Meter ausgeschieden, doch hat er so deutlich wie kaum ein anderer zuvor die Scheinheiligkeit und Verlogenheit des gesamten Dopingsystems aufgezeichnet.

Durch eine simple Beobachtung: Er musste im Februar mit einem Marokkaner ein Hotelzimmer teilen und musste mit ansehen, wie der völlig ungeniert Blutdoping betrieb. Vojta leitete seine Beobachtungen sofort an die WADA und an den Internationalen Leichtathletikverband weiter. Nichts geschah. Der Marokkaner schien vorerst sogar auf der Startliste auf, ehe er wegen einer späteren positiven Dopingprobe nach Hause geschickt wurde.

Aus Vojtas Bericht und den ausbleibenden Reaktionen kann man nur einen Schluss ziehen: Es wird weltweit schamlos gedopt. Prominente Fälle werden unter den Teppich gekehrt. Nicht etwa, um den Sport zu schützen, sondern um das lukrative Geschäft mit dem Spitzensport nicht zu schädigen.

Parallel zum Profisport wurde eine weitere, ebenfalls sehr lukrative Branche aufgebaut: Die Doping-Jagd. In hochgezüchteten Labors entwickeln Chemiker, Ärzte und Pharmazeuten sündteure Verfahren, um Doping-Tätern auf die Schliche zu kommen. 

Doch dieses System nimmt Lücken in Kauf, weshalb Sportverbände und dadurch auch  Athleten und Trainer frühzeitig  bestens informiert sind über die neuesten Entwicklungen. Sie können sich so den neuen Methoden entziehen, ehe sie im Einsatz sind. Nur reichere Sportler können sich Mittel und Methoden leisten, die jedem Dopingtest standhalten.

Das System funktioniert. Eigentlich ist Doping längst freigegeben. Der Pferdefuß besteht darin, dass die Doping-Jäger keine Fördermittel in Millionenhöhe mehr bekommen würden, wenn sie nicht ab und zu Erfolge nachweisen könnten. Also liefern sie utopische Zahlen, die beweisen sollen, wie viele tausende Athleten sie gewissenhaft und nach den strengsten  Maßstäben der modernen Wissenschaft  kontrolliert haben. Um diese Zahlen halbwegs glaubwürdig erscheinen zu lassen, müssen sie  ab und zu einen möglichst unbekannten Athleten opfern. Ein Fall wie jener des Rad-Stars Contador ist ein Unfall – sowas passiert.Ich teile nicht die Ansicht, dass alle Athleten aufgeblasen sind. Aber im Spitzenfeld sind es nach wie vor viele.

Das klingt nach Weltverschwörung?

Ist es auch. Und bei Gott nicht nur eine sportliche, denn das Scheingefecht gegen die bösen Doping-Sünder verschlingt inzwischen Milliarden, die eigentlich dem volkswirtschaftlich und gesundheitspolitisch so wichtigen Sport zugute kommen sollten.     

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