Wirtschaft von innen: Bernie und der Bayern-Banker

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Meinung Kolumnen Wirtschaft von innen
12/05/2011

Wirtschaft von innen: Bernie und der Bayern-Banker

Bestechung oder Erpressung? Wofür hat Formel-1-Boss Ecclestone 44 Millionen Dollar an Gerhard Gribkowsky gezahlt?

von Andrea Hodoschek

Der Milliardär ist ebenso in Bedrängnis wie der Ex-Banker, der auch in Sachen Kärntner Hypo angeklagt ist. Ein ausgezeichneter Geschäftsmann, der immer ein Grenzgänger war. Ohne ihn wäre die Formel 1 nicht dort, wo sie heute ist", fällt dem dreifachen Formel-1-Weltmeister Niki Lauda spontan zum ehemaligen Gebrauchtwagen-Verkäufer Bernard Charles Ecclestone ein. Nachsatz: "Hochintelligent und g'scheiter als alle anderen in der Formel 1 zusammen". Jetzt ist der Grenzgänger, der schon einmal über seine Gegner lästerte: "Jedes Mal, wenn die denken, die hätten mich an den Eiern, stellen sie fest, dass ihre Hände dafür nicht groß genug sind", trotz seiner Cleverness ziemlich in Bedrängnis geraten. Durch einen Mann, der genauso wirkt, wie man sich einen bayerischen Provinzbanker vorstellt. Und dem man niemals zutrauen würde, dass er den jahrzehntelangen unumschränkten Herrscher der Formel 1 um sein Milliardenvermögen und möglicherweise auch die Freiheit bringen könnte. 44 Millionen Dollar hatte der ehemalige Vorstand der BayernLB, die zwischendurch auch Eigentümerin der Kärntner Skandalbank Hypo Alpe-Adria war, über seine "Sonnenschein Privatstiftung" in Salzburg gebunkert. Wie kommt jemand mit 500.000 Euro Jahreseinkommen zu einem solchen Vermögen? Das Geld floss in zwei Tranchen über Ecclestone, ein Mal war auch Flavio Briatore , wegen eines Skandals geschasster Ex-Teamchef und enger Freund von Bernie, involviert. Die Glitzer-Welt hatte Gribkowsky zu gut gefallen. Der Bank war nach der Pleite des Medienmoguls Leo Kirch dessen Beteiligung am Rennzirkus zugefallen. 2006 gingen die Anteile um 840 Millionen Dollar an den britischen Finanzinvestor CVC. Ecclestone, damals von einigen Rennställen heftig attackiert, konnte sich dank CVC auf seinem Thron halten. Für seine "Verdienste" um den Verkauf der Anteile löhnte ihm die BayernLB auch noch 66 Millionen Dollar. Abgewickelt hatte den Deal Gribkowsky.

Seit zwei Wochen läuft im Landesgericht München der Prozess gegen den Banker - wegen Untreue, Bestechung und Steuerhinterziehung. Ecclestone rauschte im Privatjet an und tischte eine Version auf, die ihm die Staatsanwaltschaft freilich nicht glaubt. Die Zahlung an Gribkowsky sei keine Bestechung gewesen. Er habe sich vom Ex-Banker bedroht gefühlt. Der hätte dauernd Andeutungen gemacht, dass der Rennsport-Mogul die von ihm gegründete Familienstiftung "Bambino" kontrolliere. Was nicht stimme, denn mit der Stiftung habe er seine Ex-Frau Slavica abgesichert. Andernfalls könnte der britische Fiskus die Konstruktion auflösen. "Das wäre ein Desaster für mich gewesen", sagte der 81-jährige, 1,60 Meter große Brite im schmutzig-gelben Schwurgerichtssaal. Zwei Milliarden Pfund seien gefährdet gewesen, ihm wäre "nicht einmal eine Armbanduhr geblieben". Jahrelange Prozesse gegen die Steuerbehörden hätte er am Hals gehabt. Also galt es, Gribkowsky ruhig zu stellen, "damit er nicht auf dumme Gedanken kommt". Spätestens bei dieser Aussage müsste die britische Finanz hellhörig geworden sein. Insider glauben allerdings, Ecclestone hätte diese Story niemals aufgetischt, wenn die Stiftung nicht absolut wasserdicht sei. Vielmehr habe der gerissene Bernie vom Verdacht der Bestechung ablenken wollen. Wird Gribkowsky, dessen Vermögen seit Monaten eingefroren ist, verurteilt, wäre Ecclestone auch dran. Er ist nicht nur Zeuge, die deutsche Justiz ermittelt noch gegen ihn. Egal, wie diese Story endet, steht Gribkowsky ein weiterer Prozess bevor. Dabei geht es vom Glamour der Formel 1 in die Niederungen der Kärntner Hypo. Die Staatsanwaltschaft München hat nach langen Recherchen gegen alle acht früheren Vorstandsmitglieder der Bayerischen Landesbank Anklage wegen des Verdachts der Untreue erhoben. Der Vorwurf: Die Bayern-Banker hätten bei der Mehrheitsübernahme der Hypo "über die im Rahmen des Erwerbsprozesses aufgedeckten Bedenken hinsichtlich der verbundenen Risiken" bewusst hinweggesehen, das "für einen Beteiligungserwerb erforderliche Verfahren missachtet" und die BayernLB um 624 Millionen Euro geschädigt. Gribkowsky war immerhin Risiko-Vorstand. Die Staatsanwälte haben akribisch gearbeitet: Die Anklageschrift 474 Seiten dick, 255 Aktenordner mit Unterlagen. Die Bayern haben mit der 2009 notverstaatlichten Hausbank des verstorbenen Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider 3,7 Milliarden Euro verloren. In Kärnten sieht man die Sache anders. Das Land hätte aus dem Verkauf der Bank mindestens 200 Millionen Euro mehr lukrieren können, hieß es im Abschlussbericht des ersten Hypo-Untersuchungsausschusses. Unter den angeklagten Bayern-Vorständen ist auch der frühere Vorstandsvorsitzende Werner Schmidt . Er soll die treibende Kraft beim Kauf der Hypo gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm zudem "Bestechung eines europäischen Amtsträgers in Tateinheit mit Anstiftung zur Untreue" vor - in Zusammenhang mit dem von Haider geforderten Sponsoring des vormaligen Wörthersee-Stadions. Im Formel-1-Prozess sagte Schmidt übrigens Erstaunliches aus. Selbst wenn er von den Millionenzahlungen an Gribkowsky gewusst hätte, hätte er dem Verkauf zugestimmt. Das Angebot von CVC sei "sehr erfreulich" gewesen. Der 68-jährige pensionierte Banker ist außerdem seit wenigen Tagen wegen Steuerhinterziehung rund um Mietzahlungen seiner Söhne vorbestraft. Er hat einen Strafbefehl über 50.000 Euro akzeptiert.

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