Schlaff: Grenzgänger mit Hang zum Risiko

Andrea Hodoschek
Foto: KURIER - Boroviczeny

Eine Task Force durchleuchtet nun die Geschäfte des geheimnisvollen Investors Martin Schlaff mit der Telekom Austria. Beide Seiten haben gut daran verdient.

Der Mann liebt das Risiko. "Mit seinen Geschäftsmodellen ist er ziemlich einsam. Da traut sich sonst kaum jemand drüber", sagen Investoren. Er selbst dürfte sich ähnlich einschätzen. Schlaff über Schlaff in einem seiner raren Interviews (profil): "Die Herausforderung hat mich immer gereizt. Das ist wie beim Bergsteigen. Letzten Endes geht es immer nur um die Frage: Wie hoch ist das Risiko und wie hoch ist die Risikoprämie?"

Osthandel, Geschäfte mit der DDR, Glücksspiel und Millionen-Deals mit Burschen, denen "andere nicht einmal eine Flasche Bier abkaufen würden" (ein ehemaliger Geschäftspartner) - Schlaff darf sich heute mit einem geschätzten Vermögen von zwei Milliarden Euro zu den reichsten Österreichern zählen, mit besten Kontakten in alle politischen Lager. Er kann es sich locker leisten, Opernstars wie Anna Netrebko vorsingen zu lassen.

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Zwei Mal kam er mit der Telekom Austria ins Geschäft. Rückblende ins Jahr 2001: Der russische Geschäftsmann Mikhail Chernoy pilgerte mit Vertretern der bulgarischen Nomenklatura zu westlichen Investoren, um den Mobilfunkbetreiber MobilTel anzubieten. Die Sache klang vielversprechend, war aber nicht ungefährlich. Chernoy wurde vom FBI auf einer Most-Wanted-Liste geführt und hatte in etlichen Staaten, darunter auch in Bulgarien, Einreiseverbot.

Schlaff ging das Risiko ein. Gemeinsam mit Herbert Cordt, Ex-Sekretär von Hannes Androsch und gegangener Länderbank-Vorstand sowie dem Industriellen Josef Taus, ehemals ÖVP-Chef. Kaufpreis: rund 800 Millionen Euro, finanziert über einen Lombardkredit der Bawag. Für deren Ex-Chef Helmut Elsner sollte Schlaff 2006 eine Million Euro Kaution hinterlegen. Taus sagte später vor dem Bawag-Untersuchungsausschuss, er habe bei der MobilTel nur als Treuhänder für Schlaff fungiert. Und gab zu, sich für ein Visum für den international geächteten Chernoy "erkundigt" zu haben. Auch die damalige VP-Außenministerin Benita Ferrero-Waldner soll laut U-Ausschuss für Chernoy interveniert haben.

2004 stiegen zu 40 Prozent sieben Private-Equity-Gesellschaften ein, von ABN Amro und Citigroup bis zur Kristalldynastie Swarovski. Ein Jahr später blätterte die Telekom 1,6 Milliarden hin. Verantwortliche Telekom-Vorstände: Heinz Sundt und Boris Nemsic. Sundt kannte die Familie Schlaff schon lange als Kunde aus seiner Zeit bei IBM.

Die Telekom verteidigt den Preis heute noch als "gutes Geschäft". Man hätte sich als börsenotiertes Unternehmen samt Staatsbeteiligung niemals auf ein Geschäft mit Chernoy einlassen können. Die MobilTel sei wohlfeil gewesen, Schlaff & Co. hätten ein saniertes Unternehmen mit großem Wachstumspotenzial übergeben. Tatsache ist, dass die Gewinne der MobilTel den Kaufpreis mittlerweile locker hereingespielt haben.

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Ähnlich lief es in Weißrussland. Dort besaß Ead Samauwi, zypriotischer Geschäftsmann syrischer Abstammung mit intensiven Beziehungen zu Präsident Alexander Lukaschenko, den Mobilfunkanbieter MDC/Velcom. Schlaff stieg ein, man verkaufte in zwei Tranchen um insgesamt mehr als 1,2 Milliarden Euro an die Telekom. Diese sieht sich auch diesmal nicht übervorteilt und spricht wieder von einem lukrativen Geschäft.

Ein drittes Mal funkte es zwischen Schlaff und Telekom nicht mehr. Seit 2001 war die Telekom in Serbien an der Mobtel dran. Der illustre Investor Bogoljub Karic, unter dem Milosevic-Regime reich geworden, hatte die Mobtel mit der serbischen Post gegründet. Schlaff, Cordt und Taus stiegen ein. Es kam jedoch zum heftigen Streit mit der serbischen Regierung, der im Entzug der Sendelizenz gipfelte. Hubert Gorbach, blau-oranger Vizekanzler, jettete in Schlaffs Privatflieger nach Belgrad und intervenierte erfolgreich für
die österreichischen Investoren. Letztlich kam es zur öffentlichen, im serbischen Staats-TV übertragenen Versteigerung. Mitbieter Nemsic, der vom Aufsichtsrat 1,5 Milliarden Euro Pouvoir hatte, unterlag gegen die norwegische Telenor.

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Jetzt wird eine internationale Task Force die Übernahmen in Bulgarien und Weißrussland durchleuchten. "Wir hoffen auf eine möglichst umfangreiche und rasche Prüfung, damit endlich alle Spekulationen in den Medien ein Ende haben", sagt dazu Schlaff-Sprecher Michael Fink. Die Staatsanwaltschaft sieht sich bei den Akquisitionen "keinen Anfangsverdacht" und wartet auf die Ergebnisse der Task Force.

Gorbach, dessen Sekretärin der Ex-Lobbyist Peter Hochegger 264.000 Euro aus Telekom-Geldern zahlte, wurde mit einem Aufsichtsratsmandat in der börsenotierten RHI belohnt, bei der Schlaff eine maßgebliche Beteiligung gelungen war. Knapper Kommentar des Schlaff-Sprechers auf die Frage, ob ein Aufsichtsrat Gorbach dem Image der RHI noch zuträglich ist: "Aufsichtsratsangelegenheiten sind Sache der Hauptversammlung." Ex-Telekom-Vorstand Stefano Colombo zog übrigens vorübergehend in den RHI-Vorstand ein.

Als Investor im Casino-Business hat Schlaff weniger Glück. Das Oasis-Casino im palästinensischen Autonomiegebiet Jericho, gemeinsam mit Casinos Austria unter Leo Wallner aufgezogen, musste wegen der zweiten Intifada gesperrt werden. Im Groß-Casino Loutraki bei Athen ließ die Griechenland-Krise die Besucherzahlen schwinden.

Trotz aller Härte im Business kam Schlaff, der um kolportierte 200 Millionen Euro die teuerste Scheidung des Landes hinlegte, der Humor nicht abhanden. Antwort des Milliardärs auf die Frage nach Fahrtkostenersatz im Bawag-Prozess (er war als Zeuge geladen): "Danke, ich komme zurecht."

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(kurier) Erstellt am
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