Ronny Pecik kommt ins Schwitzen: Der Telekom-Deal wird mühsam, ehemalige Anleger wollen Geld, einer ging zur Staatsanwaltschaft.

© Jeff Mangione

Meinung Kolumnen Wirtschaft von innen
06/09/2012

Ronnie Pecik: Zerbrechliche Freundschaften

Zerwürfnisse mit Partnern ziehen sich wie ein roter Faden durch die schillernde Karriere des umstrittenen Investors. Aus der Oerlikon-Vergangenheit droht finanzielles Ungemach, Ermittlungen laufen.

von Andrea Hodoschek

Die geschäftliche Liaison hatte so vielversprechend begonnen. Stolz präsentierte Ronny Pecik den ägyptischen Telekom-Milliardär Naguib Sawiris, mit dessen Hilfe er bei der Telekom Austria (TA) den Fuß in die Tür brachte. Es dauerte nicht lange, bis in Finanzkreisen Gerüchte über ein tiefes Zerwürfnis zwischen den beiden kursierten. Sawiris sei stinksauer und fühle sich bei dem mehr als 750 Millionen Euro großen Deal ausgebootet. Pecik dementierte vehement. Erklärungsbedarf hatte er freilich, als Sawiris am 23. Mai nicht zur Hauptversammlung erschien, obwohl er in den Aufsichtsrat gewählt werden sollte. Die Story, der Ägypter sei mit den Präsidentschaftswahlen in seiner Heimat zu beschäftigt, klang wenig plausibel.

Pecik hat schon einen neuen Partner zur Hand – den Mexikaner Carlos Slim. Unglücklicherweise wurde der Deal mit dem reichsten Mann der Welt (geschätztes Vermögen 55,5 Milliarden Euro) publik, bevor man sich mit Sawiris geeinigt hatte.

"Auffallend, dass die Partnerschaften nie von langer Dauer sind", ätzt man in Finanz- und Industriekreisen über Pecik, der oft und gerne seine Tellerwäscher-Geschichte auftischt – vom Gastarbeiterkind aus der Kellerwohnung, das es zum Großinvestor brachte. Mit Leibwächter, Privatjet, Yacht und allen Status-Symbolen, die dazugehören.

So pflegt Pecik eine innige Feindschaft zum Expartner, Selfmade-Industriellen und Pleitier Mirko Kovats. Das war nicht immer so. Gemeinsam baute das Duo die A-Tec auf, gemeinsam stieg man beim Mischkonzern VA Tech ein und verkaufte die Aktien mit hohem Gewinn an Siemens. Heute fällt Pecik zu Kovats "nichts mehr ein".

Gemeinsam gelang obendrein über das Beteiligungs-Vehikel Victory die spektakuläre Übernahme des angeschlagenen Schweizer Technologiekonzern Oerlikon. Partnerwechsel. Kovats steigt aus, der Wiener Immobilien-Unternehmer Georg Stumpf (Millennium-Tower) und der russische Oligarch Viktor Vekselberg docken an. Schon drei Jahre später, 2008, gingen Pecik und Stumpf wieder getrennte Wege. "Langfristig unterschiedliche strategische Interessen" lautete die offizielle Sprachregelung. Der Kurs der Oerlikon-Aktie hat sich inzwischen atomisiert.

Beim Stichwort Victory stößt es der Raiffeisen Zentralbank und der notver­staatlichten Hypo Alpe-Adria heute noch sauer auf. Pecik verkaufte die Victory, in der noch Oerlikon-Aktien lagerten, nach Hongkong. Das Vehikel wurde umbenamst, mitverkauft wurden Kredite von rund 150 Millionen Euro. Die mit 75 Millionen Franken engagierte Hypo hat inzwischen die verhungerten Oerlikon-Aktien abgestoßen und zwei Drittel des Kredits abgeschrieben. Ähnlich die RZB. Über den Käufer First World Technology Ltd und dessen Motive, eine heillos überschuldete Gesellschaft zu übernehmen, darf gerätselt werden. Pecik war jedenfalls draußen und gründete 2011 eine neue Victory.

Die Oerlikon-Vergangenheit könnte Pecik trotzdem noch teuer zu stehen kommen. Ein ehemaliger Geschäftspartner aus Peciks Zeit als Banker (M &A Privatbank) setzt ihm gerichtlich hartnäckig zu. Der Immobilien-Manager Thomas Hönigsberger, Stief-Schwiegersohn des heimischen Milliardärs und Immobilien-Magnaten Karl Wlaschek, 94, gewann im Vorjahr bekanntlich in erster Instanz gegen Pecik bzw. die Victory. Hönigsberger hat gute Chancen, demnächst auch vor dem Wiener Oberlandesgericht zu obsiegen. Denn ein anderer Investor hat in einem ähnlichen Fall über 806.000 Euro in der zweiten Instanz schon recht bekommen. Hönigsberger hat allerdings mehr als 30 Millionen Euro eingeklagt.

Die (alte) Victory sammelte bei Investoren Geld für den Einstieg bei der Oerlikon und gab Genussscheine im Gesamtnominale von bis zu 50 Millionen Euro um zehn Euro das Stück aus. Als Pecik die Genussrechte mit Ende 2006 einseitig kündigte, bot er 57,18 Euro als Abfindung, davon sollten noch 25 Prozent KESt einbehalten werden. Die Oerlikon-Aktie war damals noch nicht abgestürzt. Das Gericht ermittelte den Wert mit 80,6 Euro und hielt einen Steuerabzug für nicht notwendig.

In der Causa Hönigsberger stellte die erste Instanz fest, dass der Abfindungswert der Genusscheine nicht wie vertraglich vereinbart von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer eigenständig geprüft wurde. Sondern die Wertermittlung des Victory-Vorstands einer "prüferischen Durchsicht" unterzogen wurde. Ein wesentlicher Unterschied. Von der Kündigung ausgenommen waren übrigens die Papiere im Umkreis von Peciks RPR Stiftung und der Millennium Privatstiftung von Stumpf.

Kein Zufall, dass inmitten der sich überschlagenden Telekom-Ereignisse just am Tag der Hauptversammlung bei der Korruptions-Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung eines weiteren Genussschein-Investors (Name der Redaktion bekannt) einging. Pecik werden Betrug, schwerer Betrug und Verstoß gegen das Aktiengesetz vorgeworfen, die Schadenssumme ist mit 694.537 Euro beziffert. Der Anleger behauptet, Pecik habe ihm gegenüber als damaliger Vorstand der Victory den Abfindungswert mit 47,50 Euro pro Stück angegeben. Der Investor argumentiert, er sei von Pecik über den tatsächlichen Wert seiner Genussscheine "getäuscht" worden. Es liege der Schluss nahe, dass die Täuschung "zumindest bedingt vorsätzlich" erfolgt sei, um der Victory und "in der Folge sich selbst (Pecik, Anmerkung) einen Vermögensvorteil zu verschaffen". Die Staatsanwaltschaft hat mit den Ermittlungen begonnen.

Pecik war für den KURIER persönlich nicht erreichbar, ließ aber mitteilen, er kenne die Anzeige noch nicht und könne inhaltlich dazu noch nicht Stellung nehmen.

Getrennt hat sich Pecik jetzt auch von Wolfgang Matejka. Über eine Stiftung waren Pecik und sein Sohn Ronny zu 75 Prozent an der Matejka & Partner Asset Management beteiligt, der Junior jobbte dort als Prokurist. Matejka und Pecik saßen in den 90er-Jahren gemeinsam im Handelsraum der Länderbank.

Zu keiner Partnerschaft kam es bis dato mit dem Investor Martin Schlaff. Aus Peciks Umfeld wurde lanciert, Schlaff hätte Pecik unbedingt dessen Telekom-Aktien abkaufen wollen. Um 14 Euro, fast das Doppelte des aktuellen Kurses. Knapper Kommentar von Schlaff-Sprecher Michael Fink dazu: "Ein solches Gespräch hat nie stattgefunden."

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