Das Duell der Glücksritter

Franz Wohlfahrt (links) sieht die große Chance in Österreich, Casinos-Boss Karl Stoss hält mit aller Kraft dagegen.. © Bild: KURIER/Schraml

Casinos Austria und Novomatic pokern um die neu ausgeschriebenen Casino-Lizenzen – und könnten, genau so wie ihre Chefs, unterschiedlicher nicht sein.

Das Match wird spannend. Erstmals treten Casinos Austria und Novomatic direkt gegeneinander an. Für den Noch-Monopolisten geht es ums Ganze. Die Casinos Austria, in den letzten Jahren nicht gerade von Fortuna gesegnet, können es sich keinesfalls leisten, ihre Standorte im Inland zu verlieren. Der ehrgeizige Angreifer Novomatic dagegen sieht endlich seine große Chance, auf heimischem Boden zu beweisen, dass er das Business ohnehin besser beherrscht.

Bisher vergab das Finanzministerium die Konzessionen freihändig und immer an die Casinos Austria (Casag). Die Lizenzen für die zwölf österreichischen Betriebe laufen mit Jahresende aus, auf Druck der EU musste jetzt international ausgeschrieben werden. In einer ersten Tranche sechs Standorte in den Landeshauptstädten, sowie in Folge die sechs Land-Casinos und drei neue Einzelgenehmigungen für Wien und NÖ.

Nach außen hin bemühen sich die Kontrahenten um gelassene Korrektheit, doch die Gräben sind tief. Das hat viel mit dem ehemaligen Casag-Chef Leo Wallner zu tun, der sich 40 Jahre lang als hoch seriöser, erfolgreicher Glücksspiel-Manager feiern ließ, dessen Saubermann-Image zuletzt aber durch den Skandal um das Österreichische Olympische Comité grobe Risse bekommen hat. Novomatic-Gründer und Eigentümer Johann Graf hat Wallner vermutlich bis heute nicht verziehen, dass dieser ständig versuchte, ihn ins Schmuddeleck zwischen Prater- und Rotlichtmilieu zu rücken.

Graf hatte auf die Übernahme der elterlichen Fleischerei gepfiffen und mit einem Freund begonnen, Flipper aus Belgien zu importieren. Von der Öffentlichkeit viele Jahre praktisch unbemerkt, baute der Selfmade-Industrielle einen Glücksspielkonzern von Weltformat auf. "Wahrscheinlich ist Novomatic im Ausland deswegen so erfolgreich geworden, weil sie im Inland wegen des Monopols nie ins Casino-Spiel kamen", mutmaßt ein Branchen-Insider. 1980 gestartet, beschäftigt die Gruppe heute weltweit rund 17.000 Mitarbeiter und schrammt knapp an der Umsatzmarke von drei Milliarden Euro vorbei. Neben der Produktion und dem Betrieb von Automaten werden im Ausland auch Voll-Casinos gemanagt.

Die bereits 1934 gegründete Casag hat rund 11.000 Beschäftigte, betreibt neben den Spielbetrieben in Österreich 60 Casinos im Ausland und hat als Cashcow dieLotterien-Tochter. Insgesamt werden mehr als drei Milliarden Euro Umsatz eingespielt. Doch die vielfach ertragsstärkere Novomatic könnte die Casag mittlerweile fast aus der Portokasse aufkaufen.

Politisch vernetzt

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Wirtschaft von innen: OeBS Provisionsskandal: Die Frage der Revision © Bild: KURIER - Boroviczeny

An vorderster Front kämpfen die beiden Vorstandsvorsitzenden, Casinos-Chef Karl Stoss und Novomatic-Boss Franz Wohlfahrt. Der Vorarlberger Stoss, ehemaliger Berater, Banker, (Vorstand bei der PSK, dann bei der Raiffeisen Zentralbank) und Kurzzeit-Chef der Generali Österreich, hat nach Wallner kein leichtes Erbe angetreten. Das Inlandsgeschäft ist inzwischen zwar aus den roten Zahlen, die Sanierung der Auslandstochter aber wird noch dauern. Wohlfahrt brachte bei seinem Antritt als Novomatic-Chef (2004) Branchen-Expertise gleich mit, er war zuvor als Rechtsanwalt auf Glücksspiel spezialisiert.

Politisch gut vernetzt sind beide. Der CVer Stoss in der ÖVP und bei Raiffeisen, dem größten Casag-Aktionär. Vorstandskollege Dietmar Hoscher ist außer Dienst gestellter SP-Nationalrat. Stoss pflegt ebenfalls die Kontakte zur roten Seite, der eifrige Bergsteiger und Seitenblicker, der erst vor Kurzem den 7045 Meter hohen Lhakpha Ri erklomm, geht nicht nur mit Mount-Everest-Bezwinger Peter Habeler, sondern auch mit Ex-SP-Parteichef Alfred Gusenbauer in die Berge. Auch Wohlfahrt netzwerkt intensiv, so sitzt er neben Casinos-Vorstandsfrau Bettina Glatz-Kremsner im Verein "Wirtschaft für Integration", dessen einflussreiche Schirmherren Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad und Wiens SP-Bürgermeister Michael Häupl sind. Bis zum Vorjahr war Ex-SP-Minister Karl Schlögl im Novomatic-Aufsichtsrat. Über eine chilenische Investmentgesellschaft gibt es indirekte Beziehungen zu Gusenbauer. "Die kaufen sich mit etlichen Hunderttausend Euro auch noch am Schwarzenbergplatz ein", ärgerte man sich bei den Casinos, als Wohlfahrt in den Vorstand der Industriellenvereinigung einzog. "Gemeinheit", tönte es zurück, "wir zahlen exakt den offiziellen Jahresbeitrag von 175.000 Euro".Gefinkelt war Grafs Schachzug, 1997 für sechs Jahre den VP-Politiker und heutigen EU-Kommissar Johannes Gio Hahn als Vorstandsvorsitzenden in sein Imperium zu holen. Unter Hahns Ägide wurde Novomatic endgültig gesellschaftlich und politisch salonfähig. Graf selbst meidet öffentliche Auftritte konsequent, selbst beim 30-Jahr-Jubiläum seines Unternehmens.

Eigentümer

Mit Blau-Orange haben beide Unternehmen ein kleines Problem. 2006 wollte der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser das Glücksspielgesetz liberalisieren. Erst nach Wallners Abgang wurde eine Zahlung der Lotterien an die BZÖ-Agentur "Orange" über 300.000 Euro bekannt. Novomatic und Telekom Austria überwiesen an die Grasser-Spezis Walter Meischberger und Peter Hochegger für Beratungstätigkeit in Summe 450.000 Euro. Die Novellierung des Gesetzes wurde im letzten Moment von der ÖVP verhindert.

Was die Eigentümer betrifft, hat es Wohlfahrt mit einem Alleinbesitzer wahrscheinlich leichter als Stoss mit seiner bunt gemischten Truppe aus Raiffeisen, Vienna Insurance Group, der Notenbank-Tochter Münze Österreich und der Kirchenbank Schellhammer & Schattera. Falls sich die Bank tatsächlich wie angekündigt von ihrer langjährigen Casinos-Beteiligung trennen sollte, dürfte Stoss trotzdem weiterhin einen guten Draht nach oben haben. Der dreifache Familienvater trifft sich regelmäßig mit Kardinal Christoph Schönborn , Ottakringer-Vorstand Sigi Menz und dem ehemaligen ORF -Informationsdirektor Elmar Oberhauser zum Jazzen im "Kirchenwirt" – dem letzten DO&CO-Stockwerk im Haas-Haus gegenüber dem Stephansdom.Um soziales und kulturelles Engagement bemühen sich Stoss und Wohlfahrt gleichermaßen.

Die Casinos müssen über die Lotterien 80 Millionen im Jahr für die Sporthilfe locker machen. Darüber hinaus wird um rund zehn Millionen Euro im Jahr gesponsert und Gutes getan, von Burgtheater und Bregenzer Festspielen bis zur Volkshilfe, dem Vienna Economic Forum und dem Frauentag.

Novomatic zeigt sich ebenfalls großzügig – so unter anderem bei "Licht insDunkel", Cliniclowns, Staatsoper, Suchtforschung und -therapie, dem Museum Gugging und dem Kulturverein Gumpoldskirchen, wo das Hauptquartier des Konzerns ist.

Vom Feinsten sind die Wiener Büros im ersten Stock der ehemaligen Verkehrsbüro-Zentrale. Der Jugendstilbau gegenüber der Secession wurde um rund 20 Millionen Euro gekauft und aufwendig saniert, das Erdgeschoß wird als "Novomatic Forum" für Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt. Die Casinos dagegen mussten wegen Sparmaßnahmen aus ihrer Zentrale im feudalen Ringstraßenpalais Ephrussi ausziehen und zu den Lotterien an den wenig vornehmen Rennweg übersiedeln.

Erstellt am 15.01.2012