wien MITTE: Grundsätze wahren

wien MITTE: Weihnachtswunder © Bild: KURIER/Christandl

Überhaupt sind ja Familien wie die unsere sowas wie tanzende, schlingernde Münzen, die entweder auf die helle oder die dunkle Seite fallen.

Feriale Entspannung trägt hier Namen wie Obi-Wan Kenobi, Aayla Secura und General Grievous. Diese und Hunderte andere Namen, die irgendwann dem rätselhaften Gehirn von George Lucas entsprungen sind, werden fast tonlos zwischen den Zähnen der Brut hervorgestoßen und fügen sich zu von uns Großen nicht zu durchschauenden Dialogen.

Was man Menschen, die gerade nicht Eltern von sechs- bis elfjährigen Kindern sind, nämlich erklären muss: Es herrscht Star-Wars-Wahn, und das ohne neuem Film oder sonstiger inhaltlicher Veröffentlichung. Einfach nur, weil Lego so eine Serie aufgelegt hat. Und das Bös-Geniale daran ist, wie der Gumpendorfer Freund M. unlängst gscheit bemerkt hat, dass hier Raumschiffe um dreistellige Eurobeträge verscherbelt werden, obwohl die Gier der Kinder nur den mitgelieferten Star-Wars-Manderln gilt: Materialwert geschätzte fünf Cent. Die einmal zusammengebauten Schiffe, Trucks, Shuttles nämlich vergruscheln dann ungeliebt in dämmrigen Winkeln, während die wertlosen, wertvollen Mantschkerln ständig herumgetragen, verliebt betrachtet und draußen auf dem Sklavenmarkt des Unbelebten zum Tausch feilgeboten werden.

Wenn man weiß, dass die helle Seite der Macht zum Helfen und zur Verteidigung, die dunkle aber zum persönlichen Machtgewinn benützt wird, hat sich Lego hier eher klar positioniert. Überhaupt sind ja Familien wie die unsere sowas wie tanzende, schlingernde Münzen, die entweder auf die helle oder die dunkle Seite fallen.

Es gilt also Grundsätze zu wahren, gemeinsam und jeder für sich. Unlängst hatte ich im Radetzky-Viertel eine Stunde Zeit, während ich auf das Fertigwerden eines Handwerkers wartete. Ich schwöre Ihnen, ich habe nichts zum Kaffeetrinken gefunden. Offen hatte zwar das eine, hübsche und feist kochende Wirtshaus, das "erste" am Platz. Aber da gehe ich nicht hin, weil die einmal total unfreundlich zur Brut waren, und für mich seitdem klar auf der dunklen Seite der Macht residieren.

Lieber lenkte ich den Schritt in den Ersten und dort in das seit Jahrzehnten unverändert supere Café Ministerium, wo beste Stimmung herrschte, weil mehrere Gruppen bester Freundinnen sich jahreswechselmäßig mit Schampus betranken. Ich überantworte mich befreit der hellen Seite der Macht.

ernst.molden(at)kurier.at

Erstellt am 12.01.2012