wien MITTE: Ein Thermentag

molden
Foto: KURIER/Christandl

Die Drittgeborene wollte ihre erste Reifenrutschpartie mit mir gemeinsam ausführen. Schon in der ersten Kurve riss es mir den Reifen unterm Hintern weg, den ich aber irgendwie spießig nicht loslassen wollte.

Wie immer am äußersten Ende des Winters, wenn die anderen winterlichen Lustbarkeiten allmählich ausdörren, fordert die Brut ein Thermenbad ein. Diesmal wurde der Erstgeborene spezifischer: Bitte heuer was anderes, heuer bitte die Therme Wien. Sprich: Ex-Oberlaa. Wir zögerten. Dies hängt mit unseren Erinnerungen an die alte Oberlaaer Therme zusammen. Wissen Sie noch? Vorrangig rostrote Farbgebung, immer zu wenig Platz, olfaktorisch, äh, schwierige Zonen, Sedimente von Kalkstein, eingetrocknetem Shampoo und Zechenkas zwischen den Kacheln. Aber mein Favoritener Freund und Agent Ch. versicherte mir, die neue Therme sei "eigentlich voll okay" und habe mittlerweile fast dazu geführt, dass er die alte Therme vergessen konnte. Also fuhren wir.

Was soll ich sagen? Die neue Therme ist tatsächlich voll okay. Als Bauwerk hübsch anzusehen, als Bade­anstalt von verschwenderischer Vielfalt im Angebot. Trotzdem wurde ich am Ende des Badetages krank. Das schiebe ich nicht auf die Therme. Ich habe vielmehr Anfängerfehler gemacht. Erstes Problem: Die Distanzen. Die Therme Wien ist so weitläufig, dass man, beziehungsweise ich als hauptberuflich hochsensibler Mensch, zwischen den Badegängen auf langen Wegen ins Frösteln gerät. Zweites Problem: Die Rutschen. Die Drittgeborene wollte ihre erste Reifenrutschpartie mit mir gemeinsam ausführen. Schon in der ersten Kurve riss es mir den Reifen unterm Hintern weg, den ich aber irgendwie spießig nicht loslassen wollte. Es kegelte mir den linken Arm mit dem Reifen nach hinten, während ich mit dem rechten krampfhaft meine Tochter festhielt. Drittes Problem: Das Thermenwirtshaus. Sprich: Ich hätte wie die Liebste ein Supperl essen sollen, statt mir eine Mischung aus Ostasien- und Heringssalat anzuhäufeln.

Am Dienstag nach dem Bade war ich krank. An den Schultern, am Bauche und am Beuschel. Und das an einem Tag, an dem der Biowetterdienst der ZAMG dichtete: "Vorübergehend nehmen die wetterbedingten Einflüsse auf den Organismus ab. Es sind nur noch bei sehr sensiblen wetterfühligen Personen Beschwerden möglich." Da ist nichts zu erklären und niemand hat Schuld, wie Frau Pluhar einst sang. Ich habe mich nur k.o. gekurt.

ernst.molden(at)kurier.at

(KURIER / Ernst Molden) Erstellt am
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