über die Prokschhütte.
11/09/2013

Prokschhütte

von Ernst Molden

Es wird für die Prokschhütte eigenes Prokschhüttenbier abgefüllt sowie eigenes Prokschhüttenkracherl.

Ernst Molden | über die Prokschhütte.

Die beiden Herren haben mehrere geleerte Bierflaschen vor sich und Memphis Blue in den Mundwinkeln stecken. Sie sitzen bester Laune in der späten Oktobersonne, vor der Rudolf-Proksch-Hütte über Pfaffstätten im Wienerwald. „Heia hob i’s herrlich dawischt“, sagt mir der eine, „im August woas schee, do woa i in Wien. Im Sebdemba woas gsch ... Do woa i auf Ualaub. Und der Traum von an Oktober, do bi i wieda do!“ Dann gehen die beiden, und wir, die wir schon längere Zeit darauf ansitzen, nehmen ihren Sonnentisch in Besitz. Mit den Gumpendorfer Freunden sowie der ebenso lieben Freundin und Yogalehrerin C. und ihrem Sohn sitzen Liebste, Brut und ich sozusagen auf der Tonsur des Pfaffstättener Kogels, wo die Rudolf-Proksch-Hütte mit ihrer Aussichtswarte steht. Die Prokschhütte ist nach Udo Prokschs Opa benannt, der ein Wanderpionier des Wienerwaldes war. Die Prokschhütte als Ziel war eine Idee der C. – hoch soll sie leben, denn die Idee war super. Wobei, am Anfang des Weges, unten in den Weingärten hinter Pfaffstätten, fragte mich Cs. Sohn: „Wo gemma eigentlich hin?“ – „Weiß nicht“, sagte ich, „deine Mama hat den Weg vorgeschlagen.“ Ein schwacher Laut aus dem Mund des Buben folgte: „Die Wege meiner Mama sind immer ursteil.“ Tatsächlich beanspruchte der einstündige Ausflug unsere Lungen, Knöchel und Schweißdrüsen, aber dann der Gipfel, wie aus dem Musterbuch altösterreichischer Freizeitgestaltung, war mehr als guter Lohn. Es wird für die Prokschhütte eigenes Prokschhüttenbier abgefüllt sowie eigenes Prokschhüttenkracherl. Es gibt einen Spielplatz und die Aussichtswarte, die fragil wirkt und doch eisern steht. Mit Hilfe des kleinen Fernglases, das mir die Liebste zum Geburtstags schenkte, bohrte ich meine Blicke ins Föhrengestrüpp des Anningergebietes. Der stille Ozean aus Einfamilienhäusern, da unten im Wiener Becken, lag unter Dunst. Als die Sonne schwächelte, kehrten wir um, holperten durch den Koniferenforst auf den Leichenwagen zu. Und obwohl niemand sprach, war die Zufriedenheit zu fühlen. Sonntage: leiwand. Rudolf-Proksch-Hütte: herrlich. In dem Kontext geht selbst der Herbst.