über die Premiere im Rabenhof
10/05/2013

Schweinderl und Rauchfangkehrer

von Ernst Molden

Tags davor war ich noch auf dem Patagonia-Radl nach Mitte gerollt.

Ernst Molden | über die Premiere im Rabenhof

Irgendwas hat mir Glück gebracht. Vielleicht waren’s doch die Rauchfangkehrer von Wien. Oder die Schweinderln von Wien. Unsere Premiere am Rabenhof ist jedenfalls richtig gut gegangen. Und die Feier danach, die war schön. Irgendwann gegen Ende der Geisterstunde saßen meine Band und die Gäste noch in unserer Garderobe, der Weinheimer-Hubert und der Sas-Raphael sangen wunderschöne Lieder. Das war der richtige Moment: Ich hakte mich bei der Liebsten ein, hob unbemerkt eine grüßende Hand, und wir zwei wanderten von Erdberg nach Erdberg, sprich: haam. Tags davor war ich noch auf dem Patagonia-Radl nach Mitte gerollt, in die alte Heimat, um beim Kerschbaum im letzten Moment neue Banjo-Saiten zu kaufen. Auf dem Weg kam ich auch an dem Haus vorbei, in dem wir bis vor dreieinhalb Jahren gelebt hatten. Ich bremste, setzte mich auf ein Rundbankerl auf der Brücke über die Bahn und starrte das Haus an. Nach einer Zeit kam eine Frau aus dem Haustor, die ich nicht kannte. Aber dabei schwang das Haustor weit auf und ich roch einen Augenblick unser Ex-Stiegenhaus. Es war, als träfe man nach Jahren einen inzwischen entfremdeten Menschen, aber wie man seinen Mundgeruch riecht, weiß man wieder alles, was einmal war. Das Haus neben unserem Ex-Haus wird noch immer renoviert, fast scheint es, als wären die Arbeiten eingeschlafen. Der Geröllschlauch hängt verstaubt aus dem zweiten Stock, wie der Darm aus einem getöteten Drachen. Jimmy, unser Freund und Mitte-Ex-Nachbar, hat angekündigt, zurück nach New York zu gehen. Und M., Freundin, Mitte-Ex-Nachbarin und Drittgeborenen-Patin, hat mich auf diesen Käfig ums Luxuswirtshaus im Stadtpark hingewiesen. Dieses Luxuswirtshaus, das ja seit seiner Schaffung eine Provokation der Öffentlichkeit darstellt, hat jetzt seinen Luxusparkplatz mit sechs Meter hohen Zäunen umgeben, und ich gehe eher davon aus, dass hier eher die Luxusfahrzeuge geschützt werden sollen als die Kinder auf der anderen Seite. Tja, I’m a stranger here in a strange land, wie Bob Dylan singt. Aber abends dann, in Erdberg, die neuen Banjo-Saiten waren aufgezogen, da wartete die Premiere und das Glück. Ich danke schön.

ernst.molden@kurier.at