über die Lücke im Mikroklima der Erdberger Hölle.
03/30/2013

Die Lücke im Mikroklima der Erdberger Hölle

von Ernst Molden

Wir haben Hamster Greg Molden feierlich begraben, im Garten der Omi.

Ernst Molden | über die Lücke im Mikroklima der Erdberger Hölle.

Und dann ist vorletzte Woche der Dsungarische Zwerghamster des Erstgeborenen gestorben. Hamster Greg, mit vollem Namen Hamster Greg Molden, war anderthalb Jahre bei uns. Als er zu uns kam, war er drei Monate alt. Er wurde also eindreiviertel und erreichte damit genau die durchschnittliche Lebenserwartung eines Dsungarischen Zwerghamsters. Sein Tod reißt dennoch eine Lücke ins Mikroklima unserer Erdberger Höhle: Das nette manische Zirpen des Laufradls fehlt uns ebenso wie perverserweise auch der ambivalente Zustand, dass es in der Wohnung „hamstert“, also dezent nach Nagetierlulu riecht. Wir haben Hamster Greg Molden feierlich begraben, im Garten der Omi. Das war einer der Tage, an dem die noch schwachen Finger des Frühlings es geschafft hatten, den Jutesack des moribunden Winters wegzuzupfen, und so war das Begräbnis sonnenbestrahlt, gülden, innig und schön. Unser Großer bestattete seinen Hamster one foot under am Zaun, und er und seine Geschwister stellten dem Verstorbenen sein Holzhäuserl wie ein winziges Mausoleum auf den Grabhügel und dekorierten es mit Krokussen. Dann gingen wir lang durch die Lobau, Napoleonstraße, Vorwerkstraße, Grundwasserhaus und beim Josefsteg wieder zurück. Ich litt jene ausschließlich im Spätwinter zu erleidenden Schmerzen, die man hat, wenn eine lang getragene schwere Winterjacke beim ausgedehnten Spaziergang die Schultern verkrampft. Erlöst wurden wir endlich auf einer kleinen Lichtung nahe der Panozzalacke, wo wir den ersten Bärlauch des Dreizehnerjahres auf frischer Tat, also beim Duften ertappten. Die Liebste und die Brut brockten eine stattliche Menge, und ich barg diese Menge zusammen mit einer Handvoll Schneeglöckerln in meinem Hut. Zuhaus dann schnippelten wir den Bärenknofel, und die begabten Hände meiner Liebsten formten ein Dutzend vollendeter Bärlauchsemmelknöderln. Die aßen wir, und unsere Trauer wurde leichter.Anderntags war es schon wieder schiach. Aber als ich mir den Hut aufsetzte, um grimmig da draußen einen Weg anzutreten, da roch mein Haupt mit einem Mal nach Bärlauch und ich lächelte.

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