über Andrew Mazurkiewicz.
10/19/2013

Andrew Mazurkiewicz

von Ernst Molden

Andrew Mazurkiewicz ist mein Gitarrenflüsterer.

Ernst Molden | über Andrew Mazurkiewicz.

Wo waren wir? Genau, Gitarren. Meine ganze Suada vom letzten Mal, wonach ich so gern über Gitarren spreche und die Liebste nicht so gern mitspricht, hatte einen einzigen Zweck: Meine Eloge auf den Luthier Andrew Mazurkiewicz einzuleiten. Andrew Mazurkiewicz ist mein Gitarrenflüsterer. Zu ihm muss ich dieser Tage dringend gehen. Seit über zehn Jahren bringe ich ihm verletzte und sonstwie verbesserungswürdige Gitarren in seine Werkstatt. Der sanfte Andrew mit seinem zwiebacktrockenen Humor ist Engländer, den die Wirren eines Gitarrenbauer-Lebens nach Wien verschlagen haben. Mir hat er, um nur die fatalsten Fälle zu nennen, zwei Lieblings-Westerngitarren mit Halsbruch wieder geheilt, einer dritten hat er den gesprungenen Korpus geflickt, in zwei E-Gitarren hat er neue Tonabnehmer und Schaltungen gelegt undundund. Was er angreift, klingt nachher einfach besser. Sogar die gebrochenen und von ihm reparierten Instrumente verhalten sich nun irgendwie offener, größer, freier als vorher, da sie ganz unversehrt waren. So wie ein Mensch mit Hilfe eines guten Arztes eine Krise übersteht und danach fühlt er sich wohler als im ursprünglichen, scheinbar gesunden Zustand.Zu Andrew bringt man die Gitarren tatsächlich, als ginge man zum Arzt. Mit dieser Mischung aus Bangigkeit und Hoffnung. Und wie der richtig gute Arzt setzt er einem ganz ruhig Behandlung und Therapie auseinander. Dann geht man, ein bissl schweren Herzens, aber ohne Angst. Und in der Folgewoche dann der Triumph: Das Baby lebt! Es lacht! Es singt!

Andrew hat mit Musikern zu tun. Diese leben prekär. Drum ist Andrew, anders als viele richtig gute Ärzte, nicht teuer. Außer, tja, bei seinen eigenen, selbstgebauten Gitarren. Aber das sind halt Wunderwerke, zusammengesetzt in einer mysteriösen Werkstatt irgendwo in den Greifensteiner Donaudschungeln. Solche Gitarren zeigt er einem ganz beiläufig, by the way. Vor bald zehn Jahren hat er mir diese Southern Jumbo vorgeführt. Mit Boden und Zargen aus Ahorn. Ein Klang, vor dem sich die Pummerin geniert. Ein Klang, der seither durch mein Unterbewusstes hallt. Eines Tages ...

ernst.molden(at)kurier.at