über die Causa Burgtheater
06/15/2016

Was Kulturminister Thomas Drozda leider nicht erwähnt

von Thomas Trenkler

Es ist an der Zeit, dass sich Drozda den Kulturjournalisten stellt.

Thomas Trenkler | über die Causa Burgtheater

Vor genau vier Wochen, am 18. Mai, wurde Thomas Drozda als Kanzleramts- und damit als Kulturminister angelobt. Manche fragen sich, was er seither getan hat. Drozda äußerte sich z. B. zum Tod von Jürgen Wilke. Er eröffnete bei der Architektur-Biennale Venedig den Österreichischen Pavillon. Er empfing seinen tschechischen Amtskollegen Daniel Herman.

Er verabschiedete sich von zwei der drei Referenten, die sich im Team von Vorgänger Josef Ostermayer um die Kunst gekümmert hatten. Dass Angelika Feigl nicht bleiben würde, lag auf der Hand: Sie war einmal Pressesprecherin des gestürzten Kanzlers Werner Faymann gewesen. Warum Vielarbeiterin Sirikit Amann gehen musste? Gerüchteweise gab es Spannungen mit Kunstsektionschefin Andrea Ecker.

Und der Burgtheater-Skandal? Drozda gab zwar den Chefredakteuren der Bundesländerzeitungen ein Gruppeninterview. Doch da spielte die Causa – Drozda war von 1999 bis 2008 Geschäftsführer – keine große Rolle. Unhinterfragt sagte er: „Der Rechnungshof hat im Burgtheater jeden Beleg umgedreht und sieht meine Rolle in keiner Weise kritisch.“ Was der Ministernicht erwähnte: Dass der RH nur die Zeit nach Drozda prüfte, also die Ära von Silvia Stantejsky (ab 2008) und Matthias Hartmann (ab 2009).

Kürzlich war der neue Minister auch in der "ZIB2" zu Gast. Lou Dittlbacher fragte nach der Letztverantwortung des Geschäftsführers – und Drozda beteuerte, ein hervorragendes Haus übergeben zu haben. Ob all die „dolosen Handlungen“ wirklich erst im Sommer 2008 eingesetzt haben, wurde leider nicht erörtert. Dittlbacher fragte aber zumindest, warum er in der Bestellungskommission für seine damalige Stellvertreterin als Nachfolgerin plädiert hatte. Stantejsky sei, sagte Drozda, die „Wunschkandidatin beider Direktoren“ gewesen, also von Klaus Bachler, der bis 2009 blieb, und von Hartmann.

Was Drozda nicht erwähnte: Er wollte ein Jahr vor Vertragsende als Generaldirektor zu den Vereinigten Bühnen Wien wechseln. Und Bachler wollte sich an kein neues Gesicht gewöhnen. Daher musste die Prokuristin Geschäftsführerin werden – auch wenn sie von der Unternehmensberatung schlechter beurteilt worden war. Zudem war Stantejsky nicht die Wunschkandidatin von Hartmann. „Als mir Drozda während meiner Vorbereitungszeit ankündigte, dass er das Burgtheater verlassen würde, bin ich sofort nach Wien geflogen, um ihn umzustimmen“, sagt Hartmann. „Ohne Erfolg.“

Im Sinne des „New Deal“ ist es an der Zeit, dass sich Drozda den Kulturjournalisten stellt.

* Ihr Tratsch-Partner sollte recht behalten: Am Dienstag wurde Anita Zemlyak zur Leiterin der Wiener Kulturabteilung bestellt. Sie war einst Mitarbeiterin von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) gewesen. Das Bestellungsverfahren lief sicher völlig objektiv ab.

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