über eine Diskussion bei den Festwochen
06/08/2015

Ohne Bewilligung der SPÖ-Obrigkeit

Eine Podiumsdiskussion der Wiener Festwochen sorgt im Vorfeld für Aufregung.

von Thomas Trenkler

Eine angeblich bestehende Regel, laut der Politiker bei Festwochen-Veranstaltungen nicht reden dürfen.

Thomas Trenkler | über eine Diskussion bei den Festwochen

Vor ein paar Tagen, am 28. Mai, wurde am Morzinplatz das Format "Into the City" der Wiener Festwochen eröffnet. Es beschäftigt sich mit dem ehemaligen Hotel Metropole, das in der NS-Zeit als Gestapo-Hauptquartier zu dienen hatte. Abertausende Menschen wurden dort gefoltert und von dort aus in die KZ deportiert. Bis 21. Juni will man mit einem vielfältigen Programm "Der Erinnerung eine Zukunft geben". Eines der Projekte hinterfragt, warum es derart lange gedauert hat, bis der Morzinplatz zum offiziellen Gedenkort wurde.

Bereits 1949 hatte der KZ-Verband ein Denkmal in Form eines Obelisken gefordert; weil die SPÖ-regierte Stadt nichts unternahm, errichtete der Verband zwei Jahre später "ohne Bewilligung der Obrigkeit" einen Gedenkstein: "Was sie unterließ, haben wir getan." So heißt auch die künstlerische Intervention, die am 13. Juni um 15 Uhr stattfinden wird. Eingebettet in die "Gedenkfeier für einen nie errichteten Obelisken" mit Musik, Lesung und Performance ist auch eine Diskussion. Das Team rund um die Kuratorin Luisa Ziaja und den Künstler Eduard Freudmann lud u.a. die Filmemacherin Ruth Beckermann und den Historiker Winfried Garscha ein.

In älterem Info-Material der Festwochen wird auch Harald Walser genannt, der sich intensiv mit der NS-Geschichte der Wiener Philharmoniker beschäftigt hat. Warum der Name des Grün-Politikers nun getilgt wurde? Weil das Büro von SPÖ-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, Redner bei der Eröffnung am 28. Mai, massiven Druck ausgeübt hatte. Unter Verweis auf eine angeblich bestehende Regel, laut der Politiker bei Festwochenveranstaltungen nicht reden dürfen, wurde das Team aufgefordert, Walser auszuladen – oder einen SPÖ-Politiker nachzunominieren. Eben Mailath zum Beispiel. Im Gegensatz zu den Festwochen, die Walser von der Liste strichen, will das Team rund um Freudmann die Interventionsversuche nicht akzeptieren: Man kündigt einen offenen Brief an.

Das Orchester der Wiener Staatsoper wird langsam weiblicher. Sophie Dartigalongue, Kontrafagottistin bei den Berliner Philharmonikern, gewann das Probespiel um die Nachfolge von Michael Werba. Sie beginnt am 1. September als Solofagottistin. Im Orchestergraben werken künftig 13 Frauen: neben Dartigalongue die Konzertmeisterin Albena Danailova, die Geigerinnen Olesya Kurylyak, Isabelle Ballot, Alina Pichas, Particia Koll und Adela Frasineanu, die Bratschistinnen Ursula Ruppe und Daniela Ivanova, die Cellistin Ursula Wex, die Harfenistinnen Charlotte Balzereit-Zell und Anneleen Lenaerts sowie die Flötistin Karin Bonelli.

Da es insgesamt 148 Planstellen gibt, beträgt der Frauenanteil 8,8 Prozent. Nicht berauschend, aber immerhin. Wenn es im Tempo der letzten Zeit weitergeht (pro Jahr kommt eine weitere Frau hinzu), dann könnte um 2075 ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis möglich sein.

Bei den Wiener Philharmonikern wird das noch etwas länger dauern. Denn bisher haben es nur sieben Frauen des Staatsopernorchesters geschafft, in den ehrwürdigen Verein aufgenommen zu werden.