über die Bestellung der Burgtheater-Geschäftsführerin.
05/26/2016

Burgtheater: Bestellung Stantejskys trotz Warnung

von Thomas Trenkler

Das Verfahren muss eine Farce gewesen sein.

Thomas Trenkler | über die Bestellung der Burgtheater-Geschäftsführerin.

Silvia Stantejsky wurde immer wieder als „die Seele des Burgtheaters“ bezeichnet. Mit allen Nöten, auch den finanziellen, konnten die Ensemblemitglieder zu ihr kommen. Und Stantejsky, seit 1980 am Haus, wusste Rat.

Seit der Ausgliederung im Herbst 1999 war sie Prokuristin und Stellvertreterin von Thomas Drozda, dem kaufmännischen Geschäftsführer. Als Drozda, seit einer Woche Kulturminister (SPÖ), im Sommer 2008 als Generaldirektor zu den Vereinigten Bühnen Wien wechselte, übernahm Stantejsky die Geschäftsführung. Sie wird mitverantwortlich gemacht für den Finanzskandal, der die Burg beinahe in die Zahlungsunfähigkeit geführt hat. Der Rechnungshof listet in seinem Bericht tatsächlich eine Vielzahl von „dolosen Handlungen“ auf.

Sehr ausführlich gehen die Prüfer auf die sogenannten „Akonti“-Zahlungen ein. Die Burg leistete in den vom RH untersuchten Geschäftsjahren 2008/’09 bis 2013/’14 in 7.362 Fällen „Akonti“ an Beschäftigte oder Werkvertragsnehmer in Höhe von rund 21,14 Millionen Euro. Für diese „Akonti“ bestand laut RH weder eine gesetzliche Verpflichtung noch eine kaufmännische Notwendigkeit. Mehr als die Hälfte aller Barauszahlungen der Hauptkasse waren „Akonti“, für 14,62 Millionen Euro (!) lagen keine Belege vor.

Daraus ergibt sich eine Vielzahl von Fragen: Wurden die Vorschüsse zu Recht bezahlt? Oder handelte es sich um Gefälligkeiten? Gab es „Akonti“ erst ab September 2008? Oder schon davor, als Drozda für die Geschäftsführung verantwortlich war?

Nicht nachvollziehbar

Und, ganz entscheidend: Wer trägt die Verantwortung für die Bestellung von Stantejsky? Der RH kritisiert in seinem Bericht, dass die Gründe, die für Stantejsky gesprochen hätten, „nicht nachvollziehbar“ waren. Die Verdachtsmomente, dass nicht alles mit rechten Dingen zuging, haben sich nun erhärtet.

Im Jänner 2008 schrieb die Bundestheater-Holding den Posten aus. In der Ausschreibung wurden von den Bewerbern unter anderem „Kenntnisse der einschlägigen Rechtsvorschriften, insbesondere hinsichtlich des Arbeitsrechts, des Sozialrechts sowie des Rechnungswesens“ erwartet.

Die beigezogene Personalberatungsfirma prüfte alle 28 Bewerbungen, sie führte Gespräche – und sie hinterfragte auch, ob die verlangten Kenntnisse vorhanden waren. In der Folge verfasste sie Beurteilungen, die sie Georg Springer, dem Chef der Holding, übermittelte.

Laut einem dem KURIER zugespielten Dossier reihte das Unternehmen auf Platz 1 einen versierten Mann aus Deutschland, der an einem großen Dreispartenhaus arbeitete. Auf Platz 2 reihte es einen jungen Mann, der mittlerweile eine Kulturistitution in Wien leitet. Und auf Platz 3 reihte es Silvia Stantejsky. Als letzter Satz wurde vermerkt: „Wird nur eine Zwischenlösung sein können, die viel Geld kosten kann.“ Auf Wunsch des Auftraggebers wurde Platz 3 zu „Platz 2b“ aufgepimpt. Im März 2008 setzte Springer eine Bestellungskommission ein. Ihr gehörten Othmar Stoss, sein engster Mitarbeiter, und Drozda, der Vorgesetzte von Stantejsky, an. Die Ergebnisse der Sondierung waren allen bekannt.

Dennoch wurde Stantejsky bestellt. Die Kommission begründete ihre Entscheidung damit, „dass das umfassende Anforderungsprofil von keinem anderen Kandidaten im vollen Ausmaß erfüllt“ worden sei. Denn einzig Stantejsky konnte die allgemeine Frage, „ob sie schon einmal in einem Theaterbetrieb mit dem österreichischen Arbeitsrecht zu tun hatten“, mit „Ja“ beantworten.

Laut RH wurde damit eine Frage gestellt, die von der Personalberatungsfirma nicht überprüft worden sei. Aber es war in der Ausschreibung auch nicht verlangt gewesen, „einmal in einem Theaterbetrieb mit dem österreichischen Arbeitsrecht zu tun“ gehabt zu haben.

Das Verfahren muss eine Farce gewesen sein. Denn unmittelbar vor dem Hearing soll Stantejsky dem Mann aus Deutschland gesagt haben, dass sie bereits Geschäftsführerin sei. Claudia Schmied, damals Kulturministerin, hätte es so bestimmt. Und die Männer, auf ihre Karriere bedacht, fügten sich.

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