Wolfgang Winheim

© Stephan Boroviczeny

Meinung Kolumnen Tagebuch
06/29/2012

Warten auf Anastasia

Wolfgang Winheim über einen kleinen grün-weißen Fan, der nicht nach Österreich darf.

Grazie Italia. Gianluigi Buffon , Andrea Pirlo und ihr Vollstrecker Mario Balotellli nahmen Angela Merkel eine heikle Entscheidung ab. Ob die deutsche Kanzlerin am 1. Juli in Kiew neben dem umstrittenen ukrainischen Staatschef Viktor Janukowitsch sitzen solle oder nicht – diese Frage war schon am 10. Juni nach dem ersten Vorrundensieg in einer angesehenen deutschen Sonntagszeitung groß thematisiert worden. So als wären die folgenden vier Spiele nur noch Formsache.

Ja, so san’s, die Deutschen, ließe sich jetzt schadenfroh sagen. Doch halt. Es wäre unseriös, von einem Journalisten auf sämtliche seiner Landsleute zu schließen. Auch hat Teamchef Joachim Löw Haltung bewiesen. Und kurz vor der Abreise trotz aller Enttäuschung noch einmal die gute Organisation der polnischen und ukrainischen Gastgeber gewürdigt.

In Lemberg alias Lwiw, wo die Deutschen zum Auftakt den FC Ronaldo alias Portugal besiegten, ist längst wieder der Alltag eingekehrt. Dort läuft ein Kleinkind – von der grün-weißen Windel bis zum Shirt – im Rapid-Look herum. Dort beneidet dessen Mama all die ausgeschiedenen EM-Kicker, weil die so problemlos die Ukraine verlassen durften.

Den 1. Geburtstag sollte Anastasia heute bei Papa Philipp, einem Rapid-Fan und österreichischen Staatsbürger, in Wien 14 verbringen. Die Hoffnung blieb unerfüllt. Dabei haben die Eltern des Rapid-Babys geheiratet. Dabei wurde ums Visum schon vor Monaten angesucht, als Anastasia noch keinen Schritt gehen konnte. Und trotzdem heißt’s immer wieder: Es geht nicht.

Das "Beschleunigungsgeld" auf den Ämtern erforderte inzwischen drei Monatsgehälter. Einmal wurde – natürlich nur versehentlich – der letzte Buchstabe ihres Wiener Nachnamens in Anastasias erstem ukrainischen Pass vergessen, worauf die Prozedur mit Anstellen und Bittgesuchen von vorn begann. Und zu schlechter Letzt wurde seitens der österreichischen Behörde in Lemberg Anastasia mit drei statt vier A geschrieben, was bedeutet: Erneut zurück an den Start.

Doch wie für Deutsche gilt auch für Ukrainer und Beamte: Irren ist menschlich, verallgemeinern verboten.

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