Tagebuch: Wenn die Post abgeht

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Meinung Kolumnen Tagebuch
12/05/2011

Tagebuch: Wenn die Post abgeht

Was sich rund um das letzte Quali-Heimspiel Österreichs alles bewegt.

von Wolfgang Greiner

Dienstag, zwölf Stunden vor Anpfiff des letzten EM-Qualifikations-heimspieles: Im Teamhotel am Stadtpark macht ein Ö3-Gag die Runde, auf den Marko Arnautovic hineingeplumpst war. Im Auftrag von Ö3-Call-Boy Gernot Kulis (war 1992 von Paul Gludovatz immerhin in die U-16-Nationalauswahl berufen worden) konfrontierte Dietmar-Constantini-Stimmenimitator Herbert Haider telefonisch den schockierten Arnautovic mit dem Vorwurf, wonach der sich lang nach Mitternacht via Pay-TV obszöne Filme reingezogen habe. Arnautovic beteuert verzweifelt beim Leben der Mutter seine Unschuld. Acht Stunden vor Anpfiff: In einem anderen Fünf-Stern-Schuppen, ein paar Tormann-Ausschüsse vom Teamhotel entfernt, trauen Nationalspieler von vier Generationen dem Team noch einen knappen Erfolg über die Türkei zu. Ob Herbert Prohaska, der (vom Teamchef unberücksichtigt gebliebene) aktuelle Austria-Kapitän Roland Linz, der bald 50-jährige Michael Konsel oder der topfitte 73-jährige Hans Buzek - sie alle reden von einem 1:0. Anlass des von den Vorständen Herbert Götz (Post AG) und Georg Pangl (Liga) initiierten Treffens ist eine Sonder-Briefmarke "100 Jahre Fußballmeisterschaft". Auflage: 730.000 Stück. Motiv: Ein alter Fußballschuh mit Stahlkappe, wie ihn Prohaska noch als 10-jähriger in Simmering anziehen hätte sollen. "Net amol an Spitz hab i damit z'sammbracht." Fünf Stunden vor Anpfiff: Frankreichs ehemaliger Weltklassefußballer und jetzige UEFA-Präsident Michael Platini fliegt mit Sportminister Norbert Darabos per Hubschrauber nach St.Pölten, um sich das neue Leistungszentrum für Damenfußball zeigen zu lassen. Schon vor dessen Fertigstellung hatte Österreichs U-19, damals noch gecoacht vom heuer so tragisch gestorbenen Ernstl Weber, gleichaltrige Türkinnen 5:0 besiegt. Dienstag, kurz vor Anpfiff: Platini ehrt Andi Herzog, wie das Europas Fußball-Chef mit allen tut, die über 100 Länderspiele bestritten. Auf einer Sonderbriefmarke war Herzog übrigens schon 2004 verewigt worden. Inzwischen ist der Rekordinternationale U-21-Teamchef und auf der Gerüchtebörse ein Constantini-Nachfolge-Kandidat. Frauenschwarm Constantini brachte es im Gegensatz zu Herzog, Prohaska, Hans Krankl, Hermann Maier, Werner Schlager und Markus Rogan nie auf eine Briefmarke. Doch keine Angst: Er wird auch nach Verlust des ÖFB-Jobs nicht stempeln gehen.

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