Tagebuch: Reklame für Maier-City

Wolfgang Winheim © Bild: Stephan Boroviczeny

Insgesamt 25.000 Zuschauer, darunter Hausherr Hermann Maier, werden bei den Nachtslaloms Flachau erwartet.

Die Krücken lehnte sie im Zielraum von Alta Badia an den Zaun. Marlies Schild wollte sich lieber ohne fotografieren lassen. Das war vor drei Jahren, als sie ihrem Freund Benjamin Raich vor Ort die Daumen drückte.Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand, ob sie jemals wieder Ski fahren, geschweige denn Rennen bestreiten würde können.Ihre beim Riesenslalom-Training auf dem Söldener Gletscher erlittene Beinverletzung war ähnlich schwer wie jene von Matthias Lanzinger. Nur mit dem Unterschied, dass nach Schilds Unfall die Versorgungskette von Hubschrauber-Abtransport bis OP optimal funktionierte.Seither gewann die Modellathletin, die im Bikini aussieht, als würde sie im Fitnessraum übernachten, elf Rennen.Schild kann sich heute in Wahrheit nur selbst schlagen, indem die Salzburgerin beim Salzburger Slalom am Erwartungsdruck scheitert. Sie fährt im Moment in einer eigenen Liga.Im Herren-Slalom ist das Feld der Sieganwärter größer. Noch internationaler als in den Speed-Bewerben, zumal sich Kurzskiakrobaten auch in Regionen ohne hohen Berg abseits der Alpinzone austoben können.10.000 Trainingstore pro Jahr sind inzwischen die Norm. 75 Paar Skier hat Marcel Hirscher in einem Jahr verwendet, "denn wennst die richtige Materialabstimmung net findest, dann ist das so, wie wennst mit einem Patsch’n Auto fährst."Auch Marcel kommt ohne Reifenplatzer nach Flachau, auch er hatte eine Verletzung zu verkraften. Auch er wird in Flachau die Massen anlocken.Insgesamt 25.000, darunter Hausherr Hermann Maier, werden Dienstag und Mittwoch bei den Nachtslaloms in Maier-City erwartet.So ein Besucherandrang so knapp vor Weihnachten ist ebenso wenig selbstverständlich wie die Dominanz von Marlies und Marcel, obwohl boshafte Ferndiagnostiker den Ski-Weltcup wieder eine alpine Inzuchtpartie nennen werden.

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Erstellt am 19.12.2011