Tagebuch: Mut zum Rücktritt

Wolfgang Winheim<br />
Foto: Stephan Boroviczeny

Mario Scheiber hat im besten Abfahreralter und doch zum richtigen Zeitpunkt aufgehört.

Als Mario Scheiber 13 war, schoss er gleichaltrigen die Filzkugel dermaßen präzise um die Ohren, dass er als größtes Tennistalent von Osttirol, Kärnten und Umgebung galt.

Als er 18 war, wurde er zu Hermann Maiers elitärer Trainingsgruppe geholt, in der sonst nur privilegierte Medaillengewinner Aufnahme fanden.

Als er 22 (und erstmals ernsthaft verletzt) war, wurde er bei der WM 2005 in Bormio als Zuschauer vor Ort mit dem Argument getröstet, dass er noch viele Großereignisse und Siegerehrungen als Aktiver erleben werde.

Als er 26 war, sah Hermann Maier bei seinem Rücktritt in Scheiber den ersten Nachfolgekandidaten. Nachsatz Maiers: "Wenn er endlich amol unverletzt bleibt."

Er blieb es nicht.

Als er 27 war, übernahm der größte kleine Stehaufmann des Skizirkus beim x-ten Comeback die Weltcupführung.

Und jetzt?

Jetzt ist er 29. Und er wird als Konjunktiv-Held in die ÖSV-Geschichte eingehen.

Er hat 13 Podestplätze (darunter Kitz) gesammelt, doch nie gesiegt.

Er hat, wie auf der Piste, bei Interviews die direkte Linie ("Na servas. Du hast heut` a Fahne", sagte er einmal zu einem übernachtigen Reporter) bevorzugt.

Und er hat auch den Mut zu sagen: Zuletzt sei die Angst mitg`fahren.

Der folgenschwere Sturz seines Freundes Hans Grugger, danach der eigene Unfall in Chamonix (Gehirnerschütterung) vor allem aber die Geburt seiner Tochter, machten ihn immer nachdenklicher.

Scheiber hat im besten Abfahreralter und doch zum richtigen Zeitpunkt aufgehört.

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(kurier / Wolfgang Winheim ) Erstellt am
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