Tagebuch: Demut kommt nach dem Fall

Wolfgang Winheim © Bild: Stephan Boroviczeny

Der halbe Ski-Weltcup geht am Stock.

Tödlicher Unfall im Ski-Cross. Wie unbedeutend macht sich verglichen dazu die Erkenntnis bei den konservativen Alpinen aus, dass ...... der halbe Weltcup am Stock geht;... Bode Miller gar nicht zum Schladminger Finale zurück nach Europa kommt;... Spitzenreiter Beat Feuz im April unters Messer muss; ... die Rennen zu einer Stresspartie zwischen frisch Lädierten und Dauerpatienten ausgeartet sind. Immerhin haben Benjamin Raich und Marcel Hirscher ihre schweren Vorjahrs-Verletzungen besser verkraftet als angenommen. Das wissen die beiden zu schätzen und macht sie gegens Hadern mit dem Schicksal immun, wenn es einmal nicht so klappt.Auch Raichs Freundin Marlies Schild, die früher schon nach einem dritten Platz unansprechbar gewesen war, wirkt demütiger. Mit sieben Bein-Operationen ist sie rekordverdächtig – übertroffen nur von Ivica Kostelic, der die Masochisten-Rangliste anführt.Nur vier Wochen nach seiner achten Knie-OP riskierte der Kroate einen Start. Danach klagte er über Rückenschmerzen. Kostelic macht sich kaum noch Hoffnungen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung. Damit nimmt er auch dem Duell mit Hirscher jene Brisanz, die nach dem Hahnenkamm-Rennen noch Fan-Ausschreitungen hatte befürchten lassen.Anders als in früheren Jahren, als die Bad Blue Boys von Dinamo Zagreb in Kranjska Gora für aggressive Stimmung gesorgt hatten, streckten kroatische Ski-Fans am Samstag friedlich ihre Fahnen in die Sonne. Die Securitys, die FIS-Direktor Günter Hujara auf Grund anonymer Drohungen gegen den ÖSV vorsorglich am Streckenrand postieren ließ, blieben unbeschäftigt und unbemerkt.Ähnlich dezent hatte sich Landeshauptmann Gerhard Dörfler unters Volk gemengt. Obwohl der oberste Kärntner im Riesenslalom keinen Kärntner bewundern durfte. Rainer Schönfelder startet erst im Slalom. Möglicherweise schon zum allerletzten Mal.Auch der einstige Slalom-Weltcupsieger machte verletzungsbedingt einen langen Leidensweg durch. 80.000 Euro investierte er als Privatfahrer ins Comeback. Ausbeute: ein 14.Platz.Einerseits hatte Schönfelder das Pech, dass es in diesem Winter auf weicheren Pisten aussichtslos war, mit hoher Nummer ins Spitzenfeld zu carven. Andrerseits profitierte er davon, dass sich kein Junger aufdrängte.Nimmt man die Junioren-WM zum Maßstab, dann wird sich daran sobald nichts ändern. Alle ÖSV-Starter fielen dort soeben aus. Aber sie kommen wenigstens g`sund heim.

Erstellt am 10.03.2012